Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012826
Frühere 
Ursachen 
der 
Franz. 
R evolution. 
207 
Volk über seine Interessen aufklarenßß) Und Brissot, der aus 
diesen Dingen ein Spezialstudium gemacht hatte, ruft aus: "Eine 
bewundernswürdige Verfassung, die nur von Leuten heruntergesetzt 
Werden kann, die sie entweder nicht kennen oder deren Zungen 
durch Knechtschaft gefesselt sindWmg) 
Dies Waren die Ansichten der berühmtesten lFranzosen jener 
Zeit; und man könnte leicht einen Band mit ähnlichen Anführungen 
ausfüllen. Hier wünsche ich nun aber auf die erste grosse Folge 
dieser neuen und lalötzlichen Bewunderung eines Landes hinzu- 
weisen, welches in dem Zeitalter vorher auf's tiefste verachtet 
Werden war. Die Ereignisse, die erfolgten, kann man in der That 
nicht überschätzen; denn sie brachten jenen Bruch zwischen den 
intellectuellen und den regierenden Klassen hervor, von dem die 
Revolution selbst nur eine zeitweilige Episode war. 
Die grossen Franzosen des 18. Jahrhunderts wurden durch 
das Beispiel Englands zu einer Liebe zum Fortschritt angeregt und 
kamen dadurch natürlich mit den regierenden Klassen in Unfrieden, 
weil bei diesen noch der alte stationäre Geist herrschte. Diese 
Opposition war eine heilsame Reaction gegen den schmahlichen 
linechtssinn, durch den sich unter der Regierung Ludwigs XIV. 
die Schriftsteller ausgezeichnet hatten; und wäre der Kampf, der 
nun ausbrach, nur mit einiger Mässigung geführt worden, so würde 
das Endresultat höchst wohlthätig gewesen sein; denn er würde 
den Zwiespalt der speculativen und praktischen Klassen gesichert 
haben, der, wie wir schon gesehen haben, für das Gleichgewicht 
in der Civilisation so wesentlich ist, um jede der beiden Seiten zu 
hindern, ein gefährliches Uebergewicht zu erlangen. Aber unglück- 
licher Weise hatte sich der Adel und die Geistlichkeit so lange 
an die Gewalt gewöhnt, dass sie nicht den geringsten Widerspruch 
von jenen grossen Schriftstellern ertragen konnten, welche sie in 
ihrer Unwissenheit als tief unter ihnen stehend verachteten. Als 
daher die berühmtesten Franzosen des 18. Jahrhunderts es unter- 
nahmen, der Literatur ihres Vaterlandes einen Forschungsgeist, wie 
er in England existirte, einzuflössen, wurden die herrschenden 
Klassen zu einem Hass und einer Eifersucht aufgeregt, die alle 
im) Helvetius, De Pesprit I, 102, 199; "um puys, o5: le peuple est respecte! comme 
m Angletewe;    1m pays, ou chaqzle oiioyen a pur! au maniement des afaires 
gänärales, ou faul komme Wesprit peu! äclairer le public sur ses väritables intäräis." 
913) Mäm. de Brisant II, 25.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.