Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012612
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Bevormundender Geist unter Ludwig XIV. 
der grösste Französische Tonkünstler, starb 1688.") Durch diese 
ausgezeichneten Männer erreichten die schönen Künste unter Lud- 
wig XIV. ihren Höhepunkt; und in den letzten 30 Jahren seines 
Lebens war ihr Verfall zum Erschrecken reissend, nicht nur in 
der Architektur und Musik, sondern auch in der Malerei, die doch 
eben weil sie mehr der persönlichen Eitelkeit dient, als die andern, 
auch mehr Wahrscheinlichkeit hat, unter einer reichen despotischen 
Regierung zu blühen. Das Genie der Maler sank aber so tief, 
dass Frankreich lange vor dem Tode Ludwigs XIV. keinen ein- 
zigen Maler von "einigem Verdienst mehr besass; und als sein Nach- 
folger den Thron bestieg, war diese schöne Kunst unter jenem 
grossen Volke fast ganz erloschenfß) 
Dies sind abschreckende Thatsachen; nicht eine Meinung, die 
man bestreiten könnte, sondern unbeugsame Data, auf unwiderleg- 
liehes Zeugniss gestützt. Und über die Literatur aus dem Zeit- 
alter Ludwigs XIV. müssen wir zu einem ähnlichen Schluss ge- 
langen. Wenn wir die Jahreszahlen jener Meisterwerke feststellen, 
die seiner Regierung zur Zierde gereichen, so finden wir, dass sein 
Leben während der letzten 25 Jahre, wo seine Gönnerschatt am 
längsten in Wirksamkeit gewesen war, gänzlich von allen Früchten 
entblösst war; mit andern Worten, dass die Franzosen gerade als 
sie sich am meisten an seine Protection gewöhnt hatten, am wenig- 
sten im Stande waren, etwas Grosses zu leisten. Ludwig XIV. 
starb 1715. Racine schrieb seine Phadra 1677, Andromache 1667, 
Athalie 1691.") Molicre veröffentlichte seinen Misauthrope 1666, 
seinen Tartutfe 1667, seinen Avare 1668.75) Der Lutrin von Boi- 
72) Biog, mnh). XXXVI, 423. Voltaire, Oezwres XIX, H32, sagt: "Personale n'a 
jamais ägalä (ßumault;" und Hullam, L-it. of EuTvlw III, 507 Sagt: "der unver- 
gleichliche französische Tonkünstler." Siehe auch Lctlres de Dudzgfand ä Walpole, 
II, 432. 
73) "Als Ludwig XV. den Thron bestieg, war die Malerei in Frankreich im tief- 
sten Verfall." Lady Morgomßs Franco II, 31. Lacretelle, Dix-lzuitiäone siöole II, 11 
sagt: "Les- beaux rmfs dägrfnärärent plus smsiblenwnt que las lettres pendmzt la secondg 
giartie du siäole de Louis XIV.    Il est certain, que les vingt-cinq demiäres annäes 
du rägne de Louis XIV. afofrirent quo des prodzwtions trEs-infärieures" etc. So aneh 
Barrington, Observations an the statutes, 377. „Es ist sehr merkwürdig, dass die 
Französische Schule seit der kostbaren Errichtung der Akademieen in Rom und Paris 
durch Ludwig XIV. keine sehr ausgezeichneten Maler wieder hervorgebracht hat." 
'74) Biog. univ. XXXVI, 499, 502; HaZlaW-S Lit. III, 493.   
75) Biog. univ. XXIX, 306, 308.
        

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