Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012588
Ludwig XIV. 
Geist unter 
Bevormundender 
183 
Unter einem solchen System erfolgt zuerst natürlich die Ver- 
armung und die Verknechtung des Genies, dann der Verfall des 
Wissens und endlich der Verfall des ganzen Landes. Dreimal ist 
dies Experiment in der Weltgeschichte gemacht worden; zur Zeit 
des Augustus, Leo's X. und Ludwigs XIV. wurde dieselbe Me- 
illüdß mit demselben Erfolge angewendet. In jedem dieser Zeit- 
alter war Viel scheinbarer Glanz und unmittelbar darauf folgte ein 
plötzlicher Untergang. In allen diesen Fallen überlebte der Glanz 
die Unabhängigkeit, und allemal sank der Nationalgeist unter der 
verderblichen Verbindung der Regierung und der Literatur. Da- 
durch wurde die regierende Klasse sehr stark und die intellectuelle 
Sehr schwach, bloss weil die, welche die Gnaden der Gönnerschaft 
vertheilen, natürlich auch die Huldigung empfangen, und wenn auf 
der einen Seite die Regierung" immer bereit ist, die Literatur zu 
belohnen, so wird auf der andern Seite die Literatur immer bereit 
sein, sich der Regierung zu unterwerfen. 
Von diesen drei Zeitaltern war das Ludwigls XIV. ohne Ver- 
gleich das schlechteste; nur die erstaunliche Kraft des Französi- 
schen Volkes machte eine Erholung von den Wirkungen dieses 
schwachenden Systems möglich, wie sie diese nachher ausführten. 
Ja, sie erholten sich wohl, aber die Anstrengung kam ihnen theuer 
zu stehen. Der Kampf währte, wie wir gleich sehen werden, zwei 
Generationen lang, und wurde nur durch jene furchtbare Revolution, 
die seine natürliche Steigerung war, beendigt. Die wirkliche Ge- 
schichte jenes Kampfes werde ich gegen das Ende dieses Bandes 
zu ermitteln suchen. Ohne jedoch den Gang der Begebenheiten 
vorweg zu nehmen, wollen wir nun zu dem zweiten grossen Cha- 
rakterzug der Regierung Ludwigs XIV., dessen ich schon gedacht 
habe, fortgehen. 
ll. Der zweite intellecte Charakterzug der Regierung Lud- 
wig's XIV. steht an Wichtigkeit kaum hinter dem ersten zurück. 
Wir haben schon gesehen, dass der Geist der Nation, verkrüppelt 
durch die Proteetion des Hofes, den edelsten Wissenszweigen so 
entfremdet wurde, dass er in keinem derselben etwas hervorbraehte, 
Was der Rede werth wäre. In natürlicher Folge davon flüchteten 
sich die Gemüther der Menschen, aus den höheren Wissenszweigen 
Vertrieben, in die niedrigeren Gegenstände, wo die Entdeckung der 
Wahrheit nicht die Hauptabsicht ist, sondern wo Schönheit der 
Form und des AllSdrucks die vorzüglichsten Gegenstände des 
Strebens sind. So war die erste Folge der Gönnerschaft Lud-
        

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