Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012558
180 
Bevormundender 
Geist unter Ludwig XIV. 
Aussehens der Blume geleitetßl) So beraubte er die Botanik ihrer 
wahren Grösse und erniedrigte sie zu einem Arrangement hübscher 
Gegenstände, und giebt uns nur ein Beispiel mehr von der Art und 
Weise, wie die Franzosen jener Generation armselig machten, was 
sie bereichern wollten, und jede Aufgabe so lange verkrüppelten, 
bis sie dem Verstande jenes unwissenden und luxuriösen Hofes 
entsprach und den Augen des Königs gefiel, von dessen Gunst sie 
Belohnung erwarteten, und dessen Beifall zu gewinnen die Auf- 
gabe ihres Lebens war.  
Und wirklich war in diesen, wie in allen Angelegenheiten von 
wahrer Bedeutung, in Fragen, die unabhängiges Urtheil erforderten, 
und in Fragen von praktischem Nutzen das Zeitalter Ludwig's XIV. 
ein Zeitalter des Verfalls, es war ein Zeitalter des Elends, der 
Unduldsamkeit und der Unterdrückung, es war ein Zeitalter der 
Sklaverei, der Schande und der Unfähigkeit. Dies würde schon 
längst allgemein anerkannt worden sein, wenn diejenigen, welche 
die Geschichte jener Periode geschrieben haben, sich die Mühe 
gegeben hätten, Gegenstände zu studiren, ohne die keine Geschichte 
verstanden werden kann; oder Wie ich vielmehr sagen sollte, ohne 
die es keine Geschichte giebt. Wäre dies geschehen, so würde 
der Name Ludwigs XIV. sogleich zu seiner natürlichen Kleinheit 
zusammengesunken sein. Selbst auf die Gefahr hin, mich dem 
Vorwurf auszusetzen, dass ich meine Arbeiten überschätze, kann 
ich es nicht unterlassen, zu sagen, dass die Thatsachen, die ich 
so eben hervorgehoben habe, vorher nie gesammelt worden, son- 
dern in den Büchern und Repertorien der Wissenschaften, denen 
sie angehören, vereinzelt geblieben sind. Und doch ist es unmög- 
lich, ohne sie das Zeitalter Ludwigs XlV. zu würdigen. Es ist 
unmöglich den Charakter irgend einer Periode zu beurtheilen, wenn 
man nicht ihre Entwickelung angiebt; mit andern Worten, wenn 
57) Ueber Toumeforifs Methode vergleiche Richard, Elänzents de botanigzße 547 ; 
Jussiezfs Batomy 517; Ray's Uorresp. 381, 382; Lankesterü Mem. of Ray 49; Wind:- 
ler, Geschichte der Botanik 142. Uuvier, Hist. des sciences II, 496, sagt mit ruhiger 
Ironie darüber: "Vom voyez" Messimmsu que cette mäthade a le merite d'une yrande 
clartä; qu'elle est fondee sur la forme de la ßeur, et pur oonsequent swr des eonsi. 
därations agreables ä saisir  .   ce qui an ßt le succes c'est que Tournefort jüignii 
ä son ouwage um jigure de jieur e! de fruit appartenant ä clmmm de ses yenres." 
Und auch hierin scheint er nachlässig gewesen zu sein, und soll eine Menge Pflanzen 
beschrieben haben, die er nie weder untersucht noch gesehen hatte. Letter from 
Dr. Sherard, in Niclzolshv Illustrations of the 18th ceniur yI, 356.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.