Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012431
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Bevormundender Geist unter Ludwig XIV. 
nachgiebt, muss die unvermeidliche Folge Despotismus in der Politik 
und Servilität in der Literatur sein. Dies war die Geschichte Frank- 
reichs unter Ludwig XIV., und dies, das können wir versichert 
sein, wird die Geschichte eines jeden Landes sein, das sich ver- 
sucht fühlen sollte, ein so verführerisches, aber so verhangnissvolles 
Beispiel nachzuahmen.  
Der Ruf Ludwigs XIV. entsprang aus der Dankbarkeit der 
Schriftsteller, wird aber jetzt durch die populär gewordne Meinung 
unterstützt, dass die berühmte Literatur seiner Zeit vornehmlich 
seiner Piiege zuzuschreiben sei. Wenn wir jedoch diese Meinung 
untersuchen, so werden wir finden, dass sie, wie so manche von 
den Ueberlieferungen, wovon die Geschichte voll ist, gänzlich alles 
Grundes entbehrt. Wir werden zwei Hauptverhältnisse finden, welche 
beweisen, dass der literarische Glanz seiner Regierung nicht die 
Folge seiner Anstrengungen, sondern das Werk der grossen Gene- 
ration war, welche ihm voraufging, und dass der Französische 
Geist von seiner Freigebigkeit so wenig Nutzen hatte, dass er viel- 
mehr durch seine Gönnerschaft gehemmt wurde. 
I. Das erste ist, dass dem ungemein grossen Antrieb, der 
unter der Verwaltung von Richelieu und Mazarin den höchsten 
Wissenszweigen zu Theil geworden war, plötzlich Einhalt gethan 
wurde. Im Jahr 1661 übernahm Ludwig XIV. die Regierung, 11) 
und von dem Augenblick an bis zu seinem Tode im Jahre 1715 
ist die Geschichte Frankreichs, so weit sie grosse Entdeckungen 
betrifft, ein leeres Blatt in den Annalen Europas Wenn wir alle 
vorgefassten Meinungen über die angebliche Glorie dieses Zeitalters 
bei Seite setzen, und die Sache unparteiisch untersuchen, so wird 
sich zeigen, dass in jedem Wissenszweige ein entschiedener Mangel 
an originalen Köpfen war. Es findet sich in dieser Zeit vieles, 
was elegant, vieles, was anziehend war. Den Sinnen der Menschen 
wurde geschmeichelt und schön gethan durch die Schöpfungen der 
Kunst, durch Gemälde, Paläste und Gedichte. Aber kaum irgend 
etwas wurde der Summe des menschlichen Wissens hinzugefügt. 
Wenn wir die Mathematik und die gemischten Wissenschaften, 
worauf sie sich anwenden lasst, nehmen, so wird man allgemein 
zugestehen, dass ihre glücklichsten Bearbeiter in Frankreich wäh- 
rend des 17. Jahrhunderts Descartes, Pascal, Fermat, Gassendj und 
41) "Die erste Periode 
ßgue, Louis XIV. I, 4. 
XIV. 
Regierung Ludwig's 
der 
fängt also 
1661 
aujx 
Capo-
        

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