Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012374
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Bevormundender Geist unter 
XIV. 
Ludwig 
zu verzeihen bereit sind, welches von einem Fürsten verübt wurde, 
bei dessen Lebzeiten die Briefe von Pascal, die Reden von Bossuet, 
die Komödien von Moliere und die Tragödien von Racine geschrie- 
ben wurden. 
Diese Methode, die Verdienste eines Regenten zu schätzen, 
schwindet nun aber wirklich so rasch dahin, dass ich kein Wort 
mit ihrer Widerlegung verlieren will; aber sie hängt mit einem 
noch weiter verbreiteten Irrthum über den Einfluss königlicher 
Gönnersehaft gegen die Nationalliteratur zusammen. Diese Täu- 
schung haben die Schriftsteller selbst zuerst verbreitet. Aus der 
Sprache, Welcher sich nur zu vielevon ihnen zu bedienen pflegen, 
könnten wir zu dem Glauben verleitet werden, als sei eine magi- 
sche Kraft in dem Lächeln eines Königs, welche den Geist des 
Glücklichen aufstachelt, dessen Herz es erfreuen darf. Und man 
muss dies nicht als eins von den harmlosen Vorurtheilen, die noch 
die Person des Königs umschweben, verachten. Dieser Irrthum 
beruht nicht nur auf einem Missverständniss der Natur der Dinge, 
sondern ist auch in seinen praktischen Folgen sehr schädlich. Er 
ist dem unabhängigen Geist, den die Literatur immer besitzen sollte, 
schädlich, und er ist dem Fürsten selbst schädlich, denn er stärkt 
jene Eitelkeit, von der sie gewöhnlich eine nur allzu grosse Dosis 
besitzen. Und wenn wir die Stellung in Betracht ziehen, welche 
sie jetzt in den civilisirtesten Ländern einnehmen, so wird uns so- 
gleich die Abgeschmacktheit einer Meinung klar werden, welche 
sich bei dem jetzigen Zustande der Wissenschaft für gebildete 
Männer nicht mehr schickt. 
Von dem Augenblick, wo die theologische Dichtung vom gött- 
lichen Recht der Könige schliesslich verlassen wurde, folgte es 
nothwendig, dass die Achtung, die man für sie fühlte, eine ent- 
sprechende Verminderung erlitt. S) Die abergläubische Ehrfurcht, 
womit man sie früher betrachtete, ist erloschen, und jetzt flösst 
uns die Göttlichkeit, von der ihre Personen einst umgeben sein 
sollten, nicht länger eine heilige Scheu ein. 1') Das Maass also, mit 
S) Ueber den verminderten Respect vor den Königen, welchen das Aufgeben des 
Rechts von Gottes Gnaden verursachte, siehe Spencefs Social statics, 423, 424, Und 
über den Einfluss der Geistlichkeit auf die Verbreitung- der alten Lehre siehe Allenfs 
gelehrtes Werk über die Royal prärogative 1349, 156. Und einige treffende Bemer- 
kungen von Locke in King's Ilife of Locke II, 90. 
9) „Qu'est devenu, m qfet, le droit divin, cette pen-säe, autrqfais aoceptäe par Zes 
masses, que les rois Jtaient lee repräsentants de Dieu sur la lem-e, qm lw racine de
        

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