Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012282
Frankreich und England. 
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beiden Leidenschaften, einzeln oder zusammen, sind gewöhnlich ihre 
Quelle, und es ist leicht zu sehen, woraus sie entspringen. Wir 
wundern uns, weil wir unwissend sind, und wir fürchten uns, weil 
wir schwach sind. Es ist daher natürlich, dass in früheren Zeiten, 
wo die Menschen unwissender und schwächer waren, als sie jetzt 
sind, sie sich auch mehr der Verehrung ergeben haben, mehr zu 
den Sitten der Ehrfurcht geneigt waren, welche in die Religion 
übertragen den Aberglauben, und in die Politik übertragen den 
Despotismus hervorbringen. Im gewöhnlichen Lauf der Gesellschaft 
werden diese Uebcl durch den Fortschritt des Wissens geheilt, 
welcher zu gleicher Zeit unsre Unwissenheit vermindert und unsre 
Hülfsquellen vermehrt, mit andern Worten, welcher unsre Geneigt- 
heit zur Verwunderung und zur Furcht vermindert, und so unsre 
Gefühle der Verehrung schwächt, und in demselben Maasse unser 
Unabhangigkeitsgefühl stärkt. Aber in Frankreich wurde dieser 
natürlichen Richtung, wie wir schon gesehen haben, durch eine 
entgegengesetzte Richtung entgegengearbeitet. Während also einer- 
seits der bevormundende Geist durch den Fortschritt des Wissens 
geschwächt wurde, so wurde er auf der andern Seite durch sociale 
und politische Verhältnisse, die ich anzugeben versucht habe, ge- 
stärkt, und so wurde dadurch, dass jeder Stand über den, der 
unter ihm war, grosse Gewalt ausübte, die Subordination und die 
Unterthänigkeit des Ganzen völlig aufrecht erhalten. Daher wurde 
man es gewohnt, nach oben zu sehen, und sich nicht auf sich 
selbst, sondern auf Andere zu verlassen, daher die biegsame und 
unterwüriige Gemüthsverfassung, wodurch sich die Franzosen bis 
zum 18. Jahrhundert immer ausgezeichnet. Daher auch jene über- 
mässige Achtung vor den Meinungen Anderer, worauf sich die 
Eitelkeit, die ein Grundzug ihres Nationalcharakters ist, gründetfß) 
Denn die Gefühle der Eitelkeit und der Verehrung haben offenbar 
dies gemein, dass sie Jeden veranlassen, seine Handlungen nach 
einem ihm ausserlichen Maassstabe zu messen, waln-end die ent- 
gegengesetzten Gefühle des Stolzes und der Unabhängigkeit ihn 
den inneren Maassstab, den nur sein eignes Bewusstsein gewähren 
kann, vorziehen lassen. Die Folge von alledem war, dass in der 
Mitte des 17. Jahrhunderts, als die geistige Entwickelung die Fran- 
zosen zur Empörung aufstachelte, ihre Wirkung durch die sociale 
 
79) Auch mit der Einrichtung des Ritterwesens 
verwandte Symptome desselben Geistes. 
zusgmnlenhängend ; 
beides 
sind
        

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