Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012220
in Frankreich und England. 
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der Königin zu setzen. Dies galt für etwas so Wichtiges, dass, 
im Vergleich damit, ein blosser Kampf für Freiheit zur Unbedeu- 
tcndheit herabsank. Und was die Sache noch aufregender für die 
Gemüther der Adeligen machte, war die grosse Schwierigkeit, wo- 
mit dieses sooiale Problem behaftet war. Nach der alten Etikette 
des Französischen Hofes konnte eine Herzogin sich in Gegenwart 
der Königin setzen; aber selbst eine Marquise durfte sich eine 
solche Freiheit nicht herausnehmen. 56) So weit war die Regel 
sehr einfach und den Herzoginnen selbst sehr angenehm. Aber 
die Marquis, die Grafen und andere glorreiche Edelherren Waren 
ungehalten über diese gehlassige Auszeichnung und gaben sich 
alle Mühe, ihren Frauen dieselbe Ehre zuzuwenden. Dem wider- 
setzten sich die Herzöge auf's Kräftigste, aber aus Gründen, die 
wir unglücklicher Weise nicht ganz verstehen, wurde unter der 
Regierung Ludwigs Xlll. eine Aenderung gemacht und das Vor- 
recht, mit der Königin in demselben Zimmer zu sitzen, wurde den 
weiblichen Mitgliedern der Familie Bouillon zugestanden. 5T) In 
Folge dieses argen Beispiels wurde die Frage ernstlich verwickelt, 
denn andere Mitglieder des Adels waren der Meinung, die Reinheit 
ihrer Abkunft gäbe ihnen Ansprüche, die keineswegs hinter denen 
des Hauses Bouillon zurückständen, dessen Alter nach ihrer Ansicht 
gröblich überschätzt worden wäre. Der Streit, der sich entspann, 
56) Daher hiessen die Herzoginnen yfemuzes assiscs"; und die von geringerem 
Bange uuou ussises". Mäm. de Fontcuuy Mareuil I, 111. Der Graf von Segur er- 
zählt uns, dass „lcs duchesscs jbuissaieut de la präroyative d'ötre assises sur un tabouret 
chez Zu reine." Meän. de Sägur I, 79. Die Wichtigkeit, womit man dies behandelte, 
wircäergötzlich dargestellt in Mäm. de St. Simon III, 215-218. Paris 1842. Tocque- 
ville, Rägne de Louis XV. II, 116. Mäm. de Geulis X, 383, 
57) "Survint iucontiuent uue dutre dzfßcultä ä la cour sur lc sujet des fabourets, 
que doivcnt avoir los daones dans la chambre de la reine; car encore cela ue shwcorde 
räguliäreuzmzt qzduux duclwsscs, vzäamnoißzs lc feu roi Louis XIII. lüwoii accordä am: 
jillcs dc la mulsoaz Bouillon" etc. Meän. d'Omeo' Talon III, 5. Siehe auch über den 
Einbruch in die Vorrechte der Herzoginnen unter Ludwig XIIL, den Fall von Seguier 
in Duales, Mäm. sccräfes I, 360, 361. Die Folgen der Neuerung waren sehr ernst- 
hafter Art; und Tallemaut des Räuux, Historicttes VIII, 223, 224 erwähnt eine aus- 
gezeichnete Dame, von der er sagt: „.Pour saiiqfaire sou ambitiou, 11! lui falloit 2m 
labouret: alle oabale pour ejaouser le vieux Bouillon La Marc]: veiqf pnur la seconde 
fois." Dies gelang ihr nicht; aber entschlossen sich nicht werfen zu lassen, Helle ne 
se rebute poiut, et ezoulaut ä toute forae avolr am tabouret, alle äpouse le ßlq ainä du 
duc de FIiZZars; c'est 1m ridicule de corps et düsprit, car il cst bossu et quasi imbecile, 
et gueux pur-dessus cela." Dies Unglück ereignete sich 1649. 
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