Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012216
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Geistes 
Kraft des bevormundenden 
Die 
stolz zu sprechen, ist ein Widerspruch im Worte. Stolz hängt von 
dem Bewusstsein der Selbstzufriedenheit ab, Eitelkeit von dem Bei- 
fall Anderer. Stolz ist eine zurückhaltende erhabene Leidenschaft, 
sie verachtet jene äusserlichen Auszeichnungen, nach welchen die 
Eitelkeit eifrig greift. Der Stolze sieht in seinem eignen Geiste 
die Quelle seiner Würde; und er weiss, diese kann weder erhöht, 
noch vermindert werden durch andere Handlungen, als die ganz 
allein von ihm ausgehen. Der Eitle ist ruhelos, unersättlich und 
wirbt immer um die Bewunderung seiner Zeitgenossen; daher muss 
er natürlich viel auf jene äusseren, sichtbaren Zeichen geben, die, 
seien sie nun Decorationen oder Titel, unmittelbar in die Sinne 
fallen und gemeine Menschen für sich einnehmen, weil sie ihrem 
Verständniss unmittelbar zugänglich sind. Dies ist der g-rosse 
Unterschied: Stolz blickt nach innen, Eitelkeit nach aussen; und 
so ist es klar, wenn Einer sich nach einem Bange schätzt, den er 
zufällig ererbt, ohne Anstrengung, ohne Verdienst, so ist dies ein 
Beweis von Eitelkeit, nicht von Stolz, und von einer Eitelkeit der 
verächtlichsten Art. Er beweist, dass ein solcher Mann keinen 
Sinn für wahre Würde hat, keinen Begriff von dem, worin allein 
alle Grösse besteht. Was Wunder, wenn für solche Geister die 
unbedeutendsten Kleinigkeiten sich zu Gegenständen von der höch- 
sten Wichtigkeit aufblähen! Was Wunder, wenn so hohle Köpfe 
sich mit Bändern, Sternen und Kreuzen zu thun machen, wenn 
dieser Edle sich nach dein Hosenbandorden sehnt, jener sich um 
das goldene Vliess grärnt, wenn Einer sich wünscht, den Herolds- 
stab bei Hofe zu tragen, und ein Anderer ein Amt im Königlichen 
Haushalt zu bekleiden, während es der Ehrgeiz eines Dritten ist, 
seine Tochter zur Ehrendame zu machen und seine Frau zur Kam- 
merfrau zu erheben! 
Wenn wir dies sehen, brauchen wir uns nicht zu wundern, 
dass die Französischen Edelleute des 17. Jahrhunderts in ihren 
Bänken und Streitigkeiten einen Leichtsinn entwickelten, Welcher, 
wenn auch durch einzelne Ausnahmen gelegentlich wieder gut ge- 
macht, der natürliche Charakter jedes Erbadels ist. Wenige Bei- 
spiele werden hinreichen, dem Leser einen Begriff von dem Ge- 
schmack und der Gemüthsverfassung dieser mächtigen Klasse zu 
geben, welche mehrere Jahrhunderte lang den Fortschritt der Fran 
zösischen Civilisation aufhielt. 
Von allen Fragen, worüber die Französischen Edeln getheilt 
waren, war die wichtigste die über das Recht, sich in Gegenwart
        

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