Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012203
in Frankreich und England. 
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friihnen, wodurch er sich als Stand immer ausgezeichnet hat. Da 
dies ein Gebiet der Geschichte ist, welches wenig studirt worden, 
so wird es interessant sein, einige Beispiele zu sammeln, um durch 
sie die Gemüthsverfassung der Französischen Aristokratie zu be- 
leuchten, und zu zeigen, um welche Ehren und Auszeichnungen 
dieser mächtige Stand sich so sehr beeiferte.  
Dass die Gegenstände, die man vornehmlich suchte, sehr gering. 
fügiger Art waren, wird Jeder leicht vermuthen, der die Wirkung 
beobachtet hat, die in der grossen Mehrzahl der Gemüther erbliche 
Auszeichnungen auf den persönlichen Charakter hervorbringen. Wie 
verderblich solche Auszeichnungen sind, kann man in der Ge- 
schichte aller Europäischen Aristokratieen deutlich wahrnehmen und 
an der allbekannten Thatsache, dass in keiner von ihnen sich auch 
nur ein mittelmässiger Grad von Talent erhalten hat, ausser in 
den Ländern, wo sie häufig durch neues plebejisehes Blut gestärkt 
werden, und wo ihr Stand aus dem Hinzutritt jener männlichen 
Energie neue Kräfte zieht, welche denen, die sich ihre eigne Stel- 
lung bereiten, so natürlich ist, aber bei Leuten nicht erwartet 
werden kann, denen ihre Stellung schon zubereitet ist. 
Denn sobald sich der Gedanke im Gemütlfe festgesetzt hat, 
dass die Quelle der Ehre von aussen, nicht von innen entspringt, 
wird allemal die äusserliche Auszeichnung dem Gefühl innerer 
Kraft vorgezogen werden. Alsdann erscheinen die Majestät des 
menschlichen Geistes und die Würde des menschlichen Wissens den 
Scheinstufen und den falschen Erhöhungen untergeordnet, wonach 
schwache Menschen die Stufen ihrer Kleinheit abmessen. Daher 
kommt es dann, dass die wahre Lage der Dinge ganz und gar 
verkehrt, und das Nichtige höher geschätzt wird, als das Grosse; 
und so wird der Geist entnervt, indem er sich einem falschen 
Maassstabe anbequemt, den sein eignes Vorurtheil geschaffen. 
Darum sind aber auch die offenbar im Irrthum, welche dem Adel 
seinen Stolz vorwerfen, als wenn das ein Charakterzug seines 
Standes wäre! Die Wahrheit ist vielmehr, dass er rasch erlöschen 
würde, wenn nur einmal der Stolz bei ihm aufkäme. Von Adels- 
 
nouveautä." Mainz." de Rachdoucauld I, 406. Ebenso Lemoniey, lötablissenzent de 
Louis XI V. 368: Hla vieille Noblesse, qm ne scwait gue cambaltre, faisait Zu guem-e 
pur goül, pur besoin, pwr vaniiä, pur cmmi." Vergl. in Meän. dThner Talon I1, 467, 
468 eine Aufzählung der Ursachen, welche 1649 den Adel zum Kriege bewogen, und 
wie die Herrn Junker durch ihre Frivolität die Fronde herunterbrachten, darüber siehe 
Lruuzlläe, Hisf. des Fwmgais III, 169, 170. 
Buckle, Gesch. d. (Zivilisation. I. 2. 10
        

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