Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012192
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Die 
Kraft des bevormpndenden 
Geistes 
sehen zwischen dem Handwerker, dem Bauer, die für ihr tägliches 
Brod arbeiteten und dem reichen lüderlichen Edelmann, dessen 
Leben in jenen müssigen und nichtigen Beschäftigungen veriioss, 
wodurch sein Geist erniedrigt und sein Stand zum Stichwort und 
zum Schimpf unter den Völkern wurde? Von Zuneigung zwischen 
zwei solchen Standen zu sprechen, ist oiioenbarer Unsinn, und würde 
ohne Zweifel von jenen hochgebornen Herren, die ihre Untergebenen 
mit unverschamter Verachtung zu behandeln gewohnt waren, als 
eine Beleidigung angesehen worden sein. Es ist wahr, dass aus 
Ursachen, die wir schon angegeben, das Volk zu seinem eignen 
Unglück auf die, welche über ihm standen, mit der grössten Ehr- 
furcht emporbliekte,  aber jede Seite der Französischen Geschichte 
beweist, wie unwürdig; dieses Gefühl erwiedert wurde, und in welch 
vollkommener Sklaverei die niedern Klassen gehalten wurden. 
Während daher die hlranzosen wegen der langen Dauer ihrer Ab- 
hängigkeit unfähig geworden waren, ihren Aufstand selbst zu leiten, 
und sich deswegen unter den Befehl ihres Adels stellen mussten, 
befestigte diese Nothwendigkeit selbst die Unterwürfigkeit, welche 
ihre Ursache war, brach das Wachsthum der Freiheit und hinderte 
das Volk durch seine Bürgerkriege jene grossen Dinge auszuführen, 
welche wir in England durch die unsrigen zu Stande bringen 
konnten. 
Und wirklich braucht man nur die Französische Literatur des 
17. Jahrhunderts zu lesen, um die Unverträiglichkeit der beiden 
Klassen und die völlige Hoffnungslosigkeit zirbegreifen, den Volks- 
geist und den aristokratischen Geist zu einer Partei zu verschmel- 
zen. Während das Volk den Zweck hatte, sich von dem Joche zu 
befreien, hatte der Adel keinen andern Zweck, als neuen Anlass 
zur Aufregung 55) zu iinden, und jener persönlichen Eitelkeit zu 
54) Mably, Obsew). sm- Fhist. de Fwvmce I, 357, sagt freimüthig: "Fexemple d'un 
Grund w tozqjours c'te' plus contagicux chez les Iwmgais que partout aillem-s." Siehe 
auch I1, 26T: "Jüwnais Feäcemplc des Gmmls n'a 6M aussi cantagieux aillcurs, qzßen 
France; an dirai! qvfils 0m le mallwureux priviliye de tout jiostzßer." Rivarol, ob- 
gleich seine Meinungen in anderer Hinsicht denen von Mably ganz entgegengesetzt 
waren , sagt: in Frankreich ula noblßssc 0st aux yeu-x du peuple um espöce de reli- 
gion, dem las gmtilslzovßzavzes samt les prätres."  de Rivarol 94. Zuni Glück hat 
die Französische Revolution, oder haben vielmehr die Umstände, Welche die Franzö- 
sische Revolution herbeifühxten, diese schimpfliche Huldigung gänzlich zerstört. 
55) Der Herzog von 1a Rochefoueauld gieht ganz aufrichtig zu, im Jahre 1649 
hätte der Adel einen Bürgerkrieg erregt "amen Jaufrmt plus de cluzleur que dätait uns
        

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