Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012058
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Geistes 
des bevormundeuden 
Geschichte 
die Adeligen zu demüthigen. Ihre Hand fiel schwer auf sie und 
es giebt kaum ein Beispiel, dass sie ihnen ihre Vergehen verziehen 
hätte, während sie manche von ihnen für Handlungen bestrafte, die 
man jetzt gar nicht als Vergehen betrachten wurde. Sie war immer 
abgeneigt, sie zu Ansehen kommen zu lassen und es ist ohne Frage 
wahr, dass sie während ihrer langen und glücklichen Regierung 
als Stand mit ungewöhnlicher Missachtung behandelt wurden. AJa, 
ihre Politik war so klar ausgesprochen, dass sie den herzoglichen 
Rang, als er ausgestorben war, nicht wieder herstellen wollte; und 
einer ganzen Generation blieb der Name eines Herzogs eine Sache, 
die der Geschichte angehörte, ein Gegenstand für Alterthümler, 
womit man aber im wirklichen Leben nichts mehr zu thun hatteß") 
Was auch sonst ihre Fehler sein mögen, in diesem Punkte blieb 
sie immer sich selbst gleich. Sie war eifrig bemüht, den Thron 
mit talentvollen Männern zu umgeben, aber sie kümmerte sich sehr 
wenig um die conventionellen Auszeichnungen, die auf die Gemü- 
ther gewöhnlichefKönige so grossen Eindruck machen. Sie gab 
nichts auf Würde und Rang, nicht einmal auf die Reinheit des 
Bluts. Sie schätzte die Leute weder wegen des Glanzes ihrer Vor- 
fahren, noch wegen der Länge ihres Stammbaums, noch wegen des 
Pomps ihrer Titel. Diese Fragen überliess sie ihren entarteten 
Nachfolgern, deren geringem Verstande sie auf's vortreffliehste ent- 
sprachen. Unsere grosse Königin richtete ihr Betragen nach einem 
andern Maassstabe ein. Ihr grosser und mächtiger Geist, der durch 
Nachdenken und Studium im höchsten Grade gebildet war, lehrte 
sie das wahre Maass der Staatsgesehäfte und befähigte sie zu der 
Einsicht, dass zur Blüthe einer Regierung Männer von Geist und 
Tugend als Rathe der Krone nothwendig sind, dass aber, wenn 
diese beiden Bedingungen erfüllt sind, die Adeligen dem Genüsse 
ihrer Musse ruhig überlassen bleiben mögen, frei von dem Druck 
der Sorgen für die Staatsgesehäfte, wofür sie mit Wenigen glänzen- 
den Ausnahmen durch ihre vielen Vorurtheile und durch ihre nich- 
tigen Beschäftigungen von Natur nicht geeignet sind. 
s") 1572 erlosch der Stand der Herzöge, und wurde erst 50 Jahr Später wieder 
ins Leben gerufen, als Jacob I. denelenden Villiers zum Herzog von Buckingham 
machte. Blackstonds Oovzzmentarics 1, 397. Dies erregte oifenbar Aufmerksamkeit; 
denn Ben Jonson spricht in einer seiner Komödien 1616 von "der anerkannten Ketzerei, 
dass England keine Herzöge dulde." Jonsorfs Werks, ed. Gzforvl, 1316, V, 47, wo 
Giifoxd, der das Erlöschen des Titels von 1572 übersieht, eine unpassende Anmerk. 
macht.
        

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