Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1012007
England und 
Frankreiöh. 
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Irrthum. Jene sind die Feinde der Reformpartei, diese die Geissel 
der Ketzer.  
Es gehört nicht zur Aufgabe dieser Einleitung zu untersuchen, 
wiefern diese Prinzipien vernünftig sind, oder die Angemessenheit 
der Begriffe zu prüfen, nach denen man annimmt, in gewissen 
äusserst wichtigen Dingen hatten die Menschen stationär zu bleiben, 
während sie in allen andern Dingen immerwahrend fortschreiten. 
Was ich aber jetzt hervorzuheben wünsche, ist, wie unter der Re- 
gierung der Elisabeth die zwei grossen conservativen und bevor- 
mundenden Klassen geschwächt Wurden durch die mächtige Bewe- 
gung der Reformation, die sich zwar im 16. Jahrhundert vollzog, 
aber durch eine lange Kette intellectueller Vorläufer vorbereitet 
worden war.    
Was man sich immer in seinen Vorurtheilen ausdenken mag, 
jeder unparteische Richter wird zugeben, dass die protestantische 
Reformation nicht mehr und nicht weniger als ein offener Aufruhr 
war. Ja, die blosse Erwähnung der persönlichen Entscheidung, 
worauf sie sich zugestandener Maassen gründete, reicht aus, um 
diese Thatsache festzustellen. Das Recht des individuellen Urtheils 
geltend machen, hiess von der Kirche sich auf die Individuen be- 
rufen, es hiessldenSpielraum des Verstandes eines Jeden erweitern, 
es hiess die Meinungen der Priesterschaft durch die Meinungen der 
Laien berichtigen; es war in der That eine Erhebung der Schüler 
gegen ihre Lehrer und der Beherrschten gegen ihre Herrscher. Und 
obgleich die reformirte Geistlichkeit, sobald sie sich hierarchisch 
organisirt hatte, ohne Zweifel das grosse Prinzip, von dem sie aus- 
ging, verliess, und den Versuch machte, Glaubensartikel und 
Kirchengesetze nach ihrem eignen Gutdünken aufzuerlegen, so darf 
uns dies doch nicht gegen die Verdienste der Reformation blind 
machen. Die Tyrannei der Kirche von England unter der Regie- 
rung der Elisabeth, und noch mehr unter den Regierungen ihrer 
beiden Nachfolger war nur die natürliche Folge der Verderbniss, 
welche die Gewalt allemal in denen erzeugt, die sie ausüben, und 
mindert in nichts die Bedeutung der Bewegung, durch welche diese 
Macht ursprünglich erlangt wurde. Denn die Menschen konnten 
nicht vergessen, dass nach der alten theologischen Theorie die 
Kirche von England eine schismatische Einrichtung war, und sich 
gegen den Vorwurf der Ketzerei nur durch die Berufung auf das 
individuelle Urtheil vertheidigen konnte, dessen Ausübung sie ihr 
Dasein verdankte, dessen Rechte aber ihr cignes Verfahren fort-
        

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