Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011967
und Frankreich. 
England 
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zwei merkwürdige Umstände hinzufügen; zuerst sind die Franzosen, 
obgleich sie manche bewundernswürdige Eigenschaften besitzen, 
doch immer mehr als die Engländer für ihre persönliche Eitelkeit 
bekannt gewesenfo) eine Eigenthümlichkeit, die man zum Theil 
auf  ihre ritterlichen Ueberlieferungen zurückführen kann, und 
welche selbst ihre Republiken, die sie gelegentlich hatten, nicht 
auszurotten vermochten; dies verleitet sie auf aussere Auszeich- 
nungen ein ungehöriges Gewicht zu legen; (ich meine damit nicht 
nur ihre Kleidung und ihre Sitten, sondern auch Medaillen, Bänder, 
Sterne, Kreuze und dergleichen, worauf wir, die wir doch ein stol- 
zeres Volk sind, nie so viel gegeben haben.) Das zweite ist, dass 
das Duell von Anfang an in Frankreich populärer gewesen ist, als 
in England; und da dies eine Sitte ist, die wir dem Ritterthum 
verdanken, so giebt dieser Unterschied der beiden Völker ein wei- 
teres Glied in der Kette von Beweisen, Wornach wir die volks- 
thümlichen Richtungen in beiden Ländern zu beurtheilen haben") 
noch auflhllendcrcs Beispiel übersehen, nämlich eine populäre Ballade aus der Mitte 
des 15. Jahrhunderts, unter deni Titel: das Turnier von Tottenham, worin die Thor7 
heiten des Ritterthums vortrefflich verspottet werden. Siehe Woman's Hist. ofEnglisk 
poetry, 1840, III, 98-10l; und Pereyäs Relics of analen! poetry, 1845, 92-95. 
Nach Turner, Hist. of England VI, 363, wurden die alten Bücher über Ritterthum 
bei Seite gelegt, ungefähr unter der Regierung Heinrichs VI. 
70) Dies ist nicht blos eine Vorstellung im Volke, sondern gründet sich auf eine 
grosse Masse von Beweisen, die von urtheilsfähigen und unparteiischen Beobachtern 
beigebracht worden sind. Addison, der ein milder und scharfer Beurtheiler war, und 
unter den Franzosen gelebt hatte, nennt sie „die eitelste Nation in der Welt." Letter 
to Bishop IIozlgh in Alleine Lzfe of Addison I, 90. Napoleon sagt: "Eitelkeit ist 
die herrschende Triebfederder Franzosen." Alisonäe Hist. of Europa, VI, 25. Du- 
mont, Souvenirs sm- Mirabeau 111, erklärt: „Le tmit le plus donnnant ddns le sam- 
etäre frangais c'est l'amour propre." Und Segnr, Souvenirs I, 73, 74 sagt: vom" en 
Fmnee l'amour propre, ou, si on le vent, la oanile, est de toutes les passions la plus 
irriiablef" Ausserdem wird gesagt, phrenologisehe Beobachtungen bewiesen, dass die 
Franzosen eitler wären als diebEngländer. Oombds Elements of phrenologie, 6th 
edigion, Edjnb. 1845, S. 90. Theilwcise wird dasselbe anerkannt in Bronssais, 00cm: 
de plwänologie, 297. Andere Beispiele, wo Schriftsteller die Eitelkeit der Franzosen 
erwähnt haben, siehe bei Toequeoille, Lümcien reginze, 148; Barante, Lil. fmng. du 
18e sieele, 80; Mäm. de Brissot, I, 272; Mzfäeruy, Hist. de Franee 11, 933; lemvnfey, 
Etablissement monarehiqzoe 418; Voltaire, Lettnes inädites II, 232; Tocquemlue, Renne 
de Louis XV, II, 358; De Staöl, Sun la revolution I, 260, II, 258- 
 Das Verhältniss des Duells zum Ritterthum ist von mehreren Schriftstellern 
erwähnt worden und in Frankreich, wo der ritterliche Geist bis zur Revolution noch 
nicht gänzlich zerstört war, finden jwir gelegentlich Spuren von dieser Verbindung 
noch unter der Regierung Ludwigs XVI. Siehe Mem. de Lafdyette I, 86, einen
        

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