Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011948
England und Frankreich. 
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gebracht habenfi?) darüber kann kein Zweifel sein, dass sie thätig 
dazu beigetragen hat, die Menschen in einem Zustande der Bevor- 
mundung zu erhalten, und dass sie dem Fortschritt der Gesellschaft 
im Wege gestanden, weil sie die Zeit ihrer Kindheit verlängerteßß) 
Daher ist es offenbar, mögen wir auf die unmittelbare oder 
auf die entferntere Tendenz des ltitterthums sehen, dass seine 
Stärke und seine Dauer uns einen Maassstab für die Herrschaft 
des bevormundenden Geistes geben. Wenn wir unter diesem Ge- 
sichtspunkt Frankreich mit England vergleichen, finden wir eine 
weitere Abweichung beider Länder von einander. Die Tourniere, 
der erste offene Ausdruck des Ritterthums, sind Französischen 
Ursprungsßtl) Die grössten, ja die beiden einzigen grossen Schil- 
derer des Ritterthums sind Joinville und Froissart, und beide waren 
Franzosen. Bayard, der berühmte Ritter, der immer als der letzte 
Repräsentant des Ritterthums angesehen wird, war ein Franzose, 
und fiel im Kampfe für Franz I. Und es dauerte noch fast 
40 Jahre nach seinem Tode, bis die Turniere in Frankreich schliess- 
lich abgeschafft wurden. Das letzte wurde 1560 gehalten. 65) 
Aber in England, wo der bevormundende Geist viel weniger 
thätig war als in Frankreich, müssen wir auch einen geringeren 
M) Manche Schriftsteller schreiben dem Ritterthum das Verdienst zu, die Sitten 
gemildert und den Einfluss der Frauen gehoben zu haben. Sainte-Playe, Mäm. sur 
Zu chevalerie I, 220-23, 282, 284; III, S. VI, VII, 159-161; Helvetius, De Fäsprit 
II, 50, 51; Schlegels Lectures I, 209. Dass diese Richtung vorhanden ist, scheint 
mir unzweifelhaft; sie ist aber sehr übertrieben dargestellt worden, und ein Schrift- 
steller, der über diese Gegenstände viel gelesen hat, sagt: „Die rohe Behandlung der 
Kriegsgefangenen in alten Zeiten ist ein starker Beweis für dieuWildheit und die 
uncivilisirten Sitten unserer Vorfahren; und diese Behandlung widerfuhr sogar Damen 
von hohem Renge, trotz der Huldigung, die man in jenen Tagen des Ritterthums dem 
schönen Geschleehte bewiesen haben soll." Groseis Military antiquities II, 114; 
Muoming, On tke Zaw rfmztiovzs, 1839, S. 145, 146. 
63) Hallam, Middle ages II, 464, sagt: "Noch einen dritten Vorwurf kann man 
dem Charakter des Ritterthums machen, dass es die Kluft zwischen den verschiedenen 
Klassen der Gesellschaft erweiterte, und den aristokratischen Dünkel vornehmer Geburt 
stärkte, durch den die grosse Masse der Menschen in Erniedrigung gehalten wurde." 
64) Sismondi, IV, 370,371, 377; Tumefs Hist. qf Englanddv, 488; Fonce- 
magne, De Vorigine des armoiries in Mäm. de Facad. des insßripiiona XXII, 530; "auch 
Koch sagt: Tabl. des rävolutions I, 139: "c'est de ld Framce, qm: l'usage des tournois 
se röpandit chez las aulres nations de l'Europe." Sie wurden zuerst in England ein- 
geführt unter der Regierung Stephans Lingards England II, 27. 
65) Hallam, Middle reges II, 470 sagt: "sie hörten in Frankreich gänzlich auf in 
Folge des Todes Heinrichs II.  aber nach Jlßlill! Hist. qf chivalry II, 226 dauerten
        

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