Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011928
und 
England 
Frankreich. 
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die in dieser Hinsicht gethan wurden, möchte ich die Aufmerksam- 
keit auf einen andern Punkt lenken, um noch ein Beispiel zu der 
frühen und radikalen Verschiedenheit Englands und Frankreichs 
zu geben. 
Im 11. Jahrhundert entstand das berühmte Ritterwesen, 55) 
welches das für die Sitten war, was das Lehnswesen für die Politik. 
Dies Verhältniss ergiebt sich nicht nur aus dem Zeugniss der Zeit- 
genossen, sondern auch aus zwei allgemeinen Betrachtungen. Zuerst, 
das Ritterthum war so entschieden aristokratisch, dass Niemand 
ein Ritter werden konnte, der nicht von adeliger Geburt warfß) 
und die vorhergegangene Erziehung, die man dazu für nothwendig 
hielt, wurde entweder in Schulen, welche der Adel eingerichtet 
hatte, oder auf seinen Schlössern ertheiltß") Zweitens, es war 
wesentlich eine Schutzeinrichtung und durchaus nicht eine refor- 
matorische. Es wurde mit der Absicht eingerichtet, gewissen Unter- 
drückungcn, die nach und nach entstanden, abzuhelfen, und hierin 
dem reformatorischen Geiste entgegengesetzt, der keine Palliativen 
sondern wirkliche Heilmittel sucht, und das Uebel dadurch bei der 
Wurzel erfasst, dass er den Stand demüthigt, von dem das Uebel 
herrührt, und einzelne Fälle übergeht, um seine Aufmerksamkeit 
auf allgemeine Ursachen zu richten. Das Ritterthum aber war weit 
davon entfernt, dies zu thun, und in Wahrheit eine Mischung ari- 
stokratischer und geistlicher Formen im" bevormundenden Geiste. 53) 
55) "Des la jin du XIme sieele, a Fäpoque möme au eommencerent las croisades, on 
trenne la clzevalerirfätablie." Koch, Tablean des rävolutions I, 143. Sainte-Palaye, 
Mem. sur Zu clwvalerie I, 42, 68. Gnizot, Oivilis. an Franee, III, 349-54 hat ver- 
sucht, es auf eine frühere Zeit zurückzuführen, scheint aber damit gescheitert zu sein, 
obgleich natürlich seine Keime leicht aufzufinden sind. Nach einigen Schriftstellern 
entsprang es im Norden Europafs, nach andern in Arabien! Mallefs Northern anti- 
quitics 202; Journal of Asiut. Soe. II, 11. 
56) "Dordre de chevalerie nüftoit accordä qu'une: hmnmes d'un sang noble." Sis- 
mondi, Hist. des Frangais IV, 204. Vergl. Daniel, Hist. de la oniliee, I, 07, und 
Mills" Hist. of ekivalry, I, '20.  
57) „An manchen Orten gab es Schulen, die der Adel des Landes eingerichtet 
hatte, aber am liäungsten bedienten sie sich ihrer eignen Schlösser." Millf Hist. of 
chinalry I, 31. Sainte-Palaye, Mem. sur Paneienne elzevalerie I, 30, .56, 57, über 
diese Erziehung.   
58) Diese Verbindung des Ritterthums und der religiösen Gebräuche wird oft den 
Kreuzzügen zugeschrieben, aber es ist guter Gnmd vorhanden, dass sie etwas früher 
eingetreten und zu der letzten Hälfte des 11. Jahrhunderts zurückgeführt werden muss. 
Millä Hist. of elzivalry I, 10, 11; Daniel, Hist. de la milice I, 101, 102, 108; Bou- 
lainvilliers, Anoicn gomz. I, 326; Sainte-Palaye, Mainz. sur la chevalerie I, 119-123,
        

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