Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011767
England 
und 
Frankreich. 
101 
hunderts im Zusammenhange, deren Erfolg hauptsächlich von dem 
geschwächten Prinzip der Bevormundung, das ihm entgegenstand, 
abhing. Dies jedoch behalte ich mir für später vor, und will jetzt 
nur einige Verhältnisse hervorheben, die der Aristokratie in Frank- 
reich mehr Macht gaben als in England und so die Franzosen an 
einen genaueren und dauernderen Gehorsam gewohnten, ihnen also 
mehr den Geist der Unterwiirfigkeit einiiössten, als wir es in un- 
serem Vaterlande gewohnt waren. 
Gleich nach der Mitte des 11. Jahrhunderts, also in der Zeit, 
wo die Aristokratie in ihrer Bildung begriffen war, ward England 
von dem Herzog der Normandie erobert, und er führte natürlich 
die Verfassung ein, die in seiner Heimath bestandß?) Unter seinen 
Händen erlitt sie aber eine Umwandlung, wie sie den neuen Ver- 
hältnissen, worin er sich befand, angemessen war. Er sah sich in 
einem fremden Lande als Anführer einer siegreichen Armee, die 
zum Theil aus Söldner-n 13) bestand, und konnterso mancher feu- 
dalen Gebräuche entrathen, die in Frankreich herkömmlich Waren. 
Die grossen Normannischen Lords, als Fremdlinge mitten in eine 
feindliche Bevölkerung hineingeworfen, nahmen fast unter jeder 
Bedingung, die ihnen ihre eigne Sicherheit gewährte, mit Vergnügen 
die Güter von der Krone an. Dies machte sich Wilhelm natürlich 
zu Nutze, denn indem er Herrschaften unter günstigen Bedingungen 
für die Krone austheilte, hinderte er die Freiherrn 14) sich eine 
Gewalt anzueignen, wie sie sie in Frankreich ausgeübt und welche 
sie ausserdern auch in England ausgeübt haben würden. Die Folge 
war, dass unsere mächtigsten Edelleute unter die Macht des Ge- 
n) Wo sie in besonderer Blüthe stand: "Zu fäodaliiä fut organisäe an Normandie 
plus fortement et plus systematiquement que partout aillezars en France." Klianmtk, 
Travaux sur Pkist. du droii I, 130. Das "coutume de Normandie" konnte viel später 
nur in dem "grand coutumier" gefunden werden." Klinzrath II, 160. Ueber die 
eigenthiimliehe Hartnäckigkeit, womit die Normannen daran hingen, siehe Letirßs 
dbiquesseau II, 225, 226: "accoutuonäs ä respecter leur aouimne oomme Pävangile." 
43) Mills" Hist. of chimalry I, 387; Turner-Ä; Hist. of England II, 390, VI, 76. 
Auch von seinen unmittelbaren Nachfolgern wurden Söldner angewendet. Grosels 
Military mztiq. I, 55. 
44) Ueber die verschiedenen Bedeutungen des Wortes "Baron" vergl. Klinzratlz, 
Hist. du droit II, 40 mit Meyer, Inst. 114d. I, 105. Aber GIIiZOt sagt, was sehr 
wahrscheinlich ist: „z'l est probable, que ce nom fui commmz origma-irement ä tous les 
vassaui immädiats de la ßvuromzc, liäs au a-oi, per scrvitizzm nziliiare, pur le sorvicv 
de cheualierß Essais, 265.
        

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