Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011735
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dds bevormun denden 
Geschichte 
Geistes 
gesetzten Interessen von Vernunft und Glauben, von Skepticismus 
und Leichtglaubigkeit, von Fortschritt und Rückschritt, derer die 
auf die Zukunft hoffen, und derer, die sich an die Vergangenheit 
anklammern, darstellt. 
Dies also ist der grosse Ausgangspunkt für die moderne Civili- 
sation. Von dem Augenblicke an, wo die Vernunft, wenn auch noch 
so schwach, ihre Oberhoheit geltend zu machen anfing, hat bei 
jedem Volk die Wendung zum Bessern von seinem Gehorsam gegen 
ihre Gebote, und von dem Erfolg, womit sie alle seine Handlungen 
auf ihr Maass zurückgeführt hat, abgehangen. Umdaher die ur- 
sprüngliche Abweichung Frankreichs von England zu verstehen, 
müssen wir sie in den Verhältnissen suchen, die damals stattfan- 
den, als diese, ich möchte sagen, grosse Empörung des Verstandes 
zuerst deutlich zum Vorschein kam. Wenn wir nun wegen dieser 
Untersuchung die Geschichte Europas in's Auge fassen, so finden 
wir, dass gerade in dieser Periode das System des Feudalismus 
entstand, ein ausgedehntes politisches System, welches bei all sei- 
ner Schwerfalligkeit und Unvollkommenheit in mancher Hinsicht 
den rohen Bedürfnissen des Volks entsprach  unter dem es ent- 
stand. 3) Der Zusammenhang zwischen ihm und dem Verfall des 
theologischen Geistes ist sehr augenfällig. Das System des Feuda- 
lismus war der erste grosse weltliche Plan, den man in Europa 
seit der Bildung des bürgerlichen Gesetzes gesehen hatte. Es war 
der erste umfassende Versuch, der seit mehr als 400 Jahren ge- 
macht worden war, die Gesellschaft nach weltlichen und nicht nach 
geistlichen Verhältnissen zu ordnen; denn die Grundlage der 
ganzen Einrichtung war einfacher, Weise der Besitz von Grund- 
3) Sir F. Palgrave, English commonwealtlz, II, p. CCVIISagt: "Es wird ge- 
wöhnlich von den besten Autoritäten zugegeben, dass ungefähr W711 ll- Jahrhundelt 
ßn Beneiizien den Namen Lehen oder Lehengüter erhielten, vjiqfis 01' feuclsß Und 
Robertson, Stute of Europe, Anmerkung VIII in Wwks, 393, nimmt an, das Wort 
„Feudum" komme vor 1008 nicht "vor, aber nach Gerizot, Oivilisaiion m Franoßlll, 238 
erschien es zum ersten Mal in einem Patent von Karl dem Dicken aus dem Jahre 884, 
Diese Fragirist mehr eine Sache der Curiosität als von Wichtigkeit, denn was auch 
der Ursprung des Namens sein mag, die Suche existirte nicht und konnte nicht vor 
dem 10. Jahrhundert existiren, da die vollständige Auüösung der Gesellschaft eine 
Einrichtung mit so zwingenden Formen unmöglich machte. In einem andern Werke: 
Essais am" Vhist. de Fromae 239, sagt Herr Guizot richtig: "au dixiänze siäle 1611]?- 
meni les rnpports et las poewovfrs soeriaux acquircnt quelque ßxitä." Siehe auch seine 
Uivilisation en Em-ope, 90.
        

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