Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011724
Geistes 
des bevormundenden 
Geschichth 
in England und Frankreich. 
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nützen würde, das Maass ihrer verschiedenen Finsterniss anzugeben. 
Sie waren Wirklich so tief gesunken, dass in der frühsten Periode 
das Ansehen der Geistlichkeit in mancher Hinsicht von Nutzen 
war, da es eine Schranke zwischen dem Volk und seinen Herr- 
schern bildete, und da es keine andere Klasse gab, die auch nur 
eine annähernd geistige Beschäftigung trieb. Aber sobald die grosse 
Bewegung begann, sobald die menschliche Vernunft sich zu em- 
pören anfing, war die Stellung der Geistlichkeit plötzlich verändert; 
sie waren wohlmeinend gegen den Gebrauch der Vernunft gewesen, 
so lange dieser auf ihrer Seite warf) als sie noch die einzigen 
Hüter des Wissens waren, zeigten sie sich eifrig in der Beförde- 
1'ung seiner Interessen. Nun entschlüpfte es aber ihren Händen, 
gerieth in den Besitz von Laien, wurde gefährlich und musste auf 
sein geeignetes Maass zurückgebracht werden. Und jetzt wurden 
zuerst die Inquisitionen, die Einsperrungen, die Folterungen, die 
Scheiterhaufen und all die andern Mittel allgemein, wodurch die 
Kirche vergebens die Flut aufzuhalten suchte, die sich gegen sie 
gewandt hatte. i) Von diesem Augenblick an ist ein unaufhörlicher 
Kampf zwischen den beiden Parteien geführt worden, den Anhän- 
gern der Forschungund den Anhängern des Glaubens; ein Kampf, 
der, unter welcher Verkleidung, unter welcher Gestalt er auch er- 
scheinen möge, im Grunde immer derselbe ist, und die entgegen- 
4) "Tante inßuenee qu'on accordait ä la scienee ne pommit, _dans les prerniers teßnps, 
qzßäire faeorable an elerge." Meyer, Institut. judie. I, 498. 
9) Im Anfange des 11. Jahrhunderts fing die Geistlichkeit zuerst an, systematisch 
unabhängige Untersuchungen zu unterdrücken, und diejenigen zu bestrafen, die es 
wagten, selbst zu denken. Vergl. Sismondi, IV, 145, 146; Nermder, Hist. of tke 
Churoh VI, 365, 366; Prescotfs Hist. of Ferdinand n. Isabella l, 261 die An- 
merkung. Vorher wer, wie Sismondi ganz richtig bemerkt, eine solche Politik gar 
nicht nöthig: "Pendant plusieurs siäeles, Fäglisc rfewoit ätä lroulrläe pur aucnne käresie; 
Pignorance am trop oonzpläte, la somnission trop sernile, la foi irop aveugle, pour que 
les questions qni aeoient si lang temps exereä la snbtilvlte des Grees fussent seulenzent 
vomprises pur les Latins." Wie das Wissen fortschritt, wurde der Unterschied von 
Untersuchung und Glauben immer sichtbarer; die Kirche verdoppelte ihre Anstrengun- 
gen, und am Ende des 12. Jahrhunderts forderten die Päpste die weltliche Macht 
förmlich auf, die Ketzer zu bestrafen; und die erste Verordnung, die erlassen worden 
ist, ninquisitoribus laaerctieae prnwitatis" ist eine von Alexander IV. Meyer, Insiit. 
jud. II, 554, 556. Siehe auch Llorente, Hist. de Finquisition 1,125, IV, 254, Im 
Jahre 1222 liess eine Synode in Oxford einen Apostatcn verbrennen; und dies, sagt 
Lingard, H48; qf England II, 148, ist, glaube ich, das erste Beispiel von Todesstrafe 
in England des Glaubens Wegen. Vergl. Wrzyhfs 121'051. 12m. m. II, 444. 
Buckle, Gcsch. d. Civilisatiomi. I. 2. 7
        

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