Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011695
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des 
Geschichte. 
Geistes 
Franz. 
keine Institution der Fluth und den Bewegungen der Gesellschaft 
widerstehen kann, wenn sie nicht nur ihren Bau nicht ausbesselt, 
sondern auch ihren Eingang nicht erweitert; und dass selbst ma- 
teriell kein Land lange glücklich oder gesichert bleibt, in dem das 
Volk nicht nach und nach seine Macht ausdehnt, sein Recht er- 
weitert und sich so zu sagen in die Lebensäiusserungen des Staats 
incorporirt. 
Die Ruhe Englands und seine Beireiung vom Bürgerkriege 
müssen der Anerkennung dieser grossen Wahrheiten zugeschrieben 
werden, m) während ihre Vernachlässigung andern Völkern die 
schmerzlichsten Leiden zugezogen hat. Aus diesem Grunde also, 
wenn aus keinem andern wird es interessant einzusehen, wie es 
kam, dass die beiden Völker, die wir verglichen haben, rücksicht- 
lich dieser Wahrheiten so gänzlich entgegengesetzte Ansichten an- 
nahmen, während in andern Dingen ihre Ansichten, Wie wir ge 
sehen haben, sich sehr ähnlich waren. Mit andern Worten, wir 
haben zu untersuchen, wie es kam, dass die Franzosen, nachdem 
sie in ihrem Wissen, in ihrem Skepticismus, in ihrer Duldung grade 
denselben Weg wie die Engländer eingeschlagen, in ihrer Politik 
damit inne hielten; wie es kam, dass ihr Geist, der so Grosses 
geleistet, für die Freiheit unvorbereitet war, dass trotz der helden- 
müthigen Anstrengungen der Fronde sie nicht nur unter den Des- 
potismus Ludwigs XIV. iielen, sondern nicht einmal daran dachten 
sich ihm zu widersetzen, und zuletzt, Sklaven an Leib und Seele, 
auf einen Zustand noch stolz wurden, "welchen der geringste Eng- 
länder als eine unerträgliche Knechtschaft von sich gestossen haben 
wurde. 
Die Ursache dieser Verschiedenheit ist in jenem Geiste der 
Bevormundung zu suchen, der so gefährlich und doch so scheinbar 
ist, dass er das ernstlichste Hinderniss bildet, womit die fortschrei- 
tende Civilisation zu kämpfen hat. Dieser, den wir mit Recht 
einen bösen Geist nennen können, ist in Frankreich immer viel 
stärker gewesen, als in England. Ja, er bringt noch heutiges 
Tages unter den Franzosen die grössten Uebel hervor. Er ist, wie 
m) D. h. ihre praktische Anerkennung; theoretisch werden sie noch von unzähli- 
gen Politikern bestritten, die sie nichtsdestoweniger ausführen helfen, eifrig hoffend, 
jede Neuerung werde die letzte sein, und andere zur Reform verlockend unter dem 
Vorwandefdass sie "mit jeder Neuerung zu dem Geiste der Alt-Britischen Verfassung 
zurückkehren.
        

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