Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1011646
VOITI 
16. bis zum 
J ahrh. 
89 
überein, dass beide wesentlich weltlich waren und nicht aus dem 
Wunsch, religiöse Meinungen zu verbreiten, sondern bürgerliche 
Rechte zu sichern entsprangen. Den weltlichen Charakter des Eng- 
lischen Aufstandes habe ich schon hervorgehoben, und er muss in 
der That Jedem auffallen, der die Quellen gelesen hat. In Frank- 
reich finden wir nicht nur denselben Erfolg, sondern können auch 
die Stufen seines Fortschritts bemerken. In der Mitte des 16.Jahr- 
hunderts und unmittelbar nach dem Tode Heinrichs III. entspran- 
gen die Französischen Bürgerkriege aus religiösen Streitigkeiten 
und Wurden mit dem Eifer von Kreuzzügen geführt. Gleich im 
Anfange des 17. Jahrhunderts brachen Wieder Feindseligkeiten aus, 
aber obgleich die Regierung ihre Macht gegen die Protestanten zu 
richten hatte, geschah dies doch nicht, weil sie Ketzer, sondern 
weil sie Rebellen waren; und der Zweck war nicht, einen Glauben 
zu strafen, sondern eine Partei im Zaume zu halten. Dies war die 
erste grosse Stufe in der Geschichte der Duldung, und vollzog sich, 
wie wir schon gesehen haben, unter der Regierung Ludwigs XIII. 
Während der folgenden Generation entstanden die Kriege derFronde, 
und in ihnen, die wir die zweite Stufe der Französischen Geistes- 
entwickelung nennen können, war die Veränderung noch merk- 
würdiger, denn unterdessen hatten die Prinzipien der grossen 
skeptischen Denker von Montaigne bis Descartes ihre natürlichen 
Früchte getragen. Sie waren unter den Gebildeten verbreitet wor- 
den, und hatten, wie immer, nicht nur auf die, bei denen sie Ein- 
gang gefunden, sondern auch auf die, von denen sie verworfen 
worden, gewirkt. Ja, die blosse Kunde von der Thatsache, dass 
die ausgezeichnetsten Männer die Meinungen, die in einer Zeit gang 
und gebe sind, bezweifelt haben, wird nie verfehlen bis zu einem 
gewissen Grade die Ueberzeugungen selbst derjenigen zu stören, 
die sich über diese Zweifel lustig machen. m) In solchen Fällen 
ist kein Glaube sicher; selbst der stärkste wird ein wenig erschüt- 
tert werden; diejenigen, welche äusserlich den Schein der Recht- 
gläubigkeit beibehalten, schwanken oft, ohne es zu wissen; sie 
L 
 Dugald Stewart, Philos. of the mind I, 357, Sagt! "Nichts kann üßhfiger 
sein als die Bemerkung Fontenelles: die Zahl derer, die an ein System, das in der 
Welt gilt, ghmben, fügt nicht das Geringste zu seiner Glaubwürdigkeit hinzu, aber 
die Zahl derer, die daran zweifeln, führt dazu, diese Glaubwürdigkeit zu venniiulern." 
Vergleiche lvewmßn, On developnzent, London 1845, S. 21; und die Benxerkuag von 
Hylas in Berkelegjs Werks, edit. 1843, I, 151, 152.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.