Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1006694
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Einfluss 
der 
Naturgesetze. 
Geschichtsbücher uns kein Beispiel geben, wo diese Völker sich 
gegen ihre Herrscher gewendet; wir finden keinen Klassenkampf, 
keine Volksaufstände, nicht einmal irgend eine grosse Verschwö- 
rung. In diesen reichen und fruchtbaren Ländern sind mancherlei 
Veränderungen vorgegangen, aber alle von oben, keine von unten. 
Das demokratische Element hat gänzlich gefehlt. Es hat Kriege 
der Könige und Kriege der Dynastien genug gegeben. Es sind 
Revolutionen in der Regierung, im Palast, auf dem Thron vorge- 
kommen, aber keine Revolutionen im Volk, H) keine Milderung 
des harten Looses, welches mehr die Natur, als der Mensch ihnen 
zugetheilt. Und nicht eher, als bis eine Civilisation in Europa ent- 
stand, kamen andre physische Gesetze ins Spiel und wurden andre 
Ergebnisse erzielt. In Europa gab es zuerst eine Annäherung an 
die Gleichheit, eine Neigung, jenes ungeheure Missverhältniss von 
Reichthum und Macht auszugleichen, welches hauptsächlich die 
schwache Seite der grössten und ältesten Reiche bildete, Als na- 
türliche Folge ist es Europa, wo Alles, was des Namens der Ci- 
vilisation würdig ist, seinen Ursprung genommen; denn hier allein 
sind Versuche gemacht worden, das Gleichgewicht in dem Verhält- 
nisse seiner Theilc zu erhalten. Hier allein hat sich die Gesell- 
schaft nach einem Plane geordnet, der zwar nicht ausreichend ist, 
aber doch umfassend genug, um alle verschiedenen Klassen, woraus 
sie besteht, einzuschliessen und so dadurch, dass sie für den Fort- 
schritt einer jeden Raum lässt, die Dauer und den Fortschritt des 
Ganzen zu sichern. 
Wie gewisse andre physische Eigenthiinrlichkeiten Europafs den 
Fortschritt der Menschheit durch Verminderung des Aberglaubens 
beschleunigt haben, wird am Ende dieses Abschnitts angedeutet 
werden; da dies die Erörterung einiger Gesetze, die ich noch nicht 
erwähnt habe, in sich schliesst, so scheint es rathsam, zuerst die 
gegenwärtige Untersuchung zu Ende zu führen; ich werde daher 
zu zeigen suchen, dass Alles, was wir eben über Indien gesagt, 
eben sowohl auf Aegypten, Mexico und Peru seine Anwendung 
93)'Ein verständiger Beobachter sagt: "Auch ist es merkwürdig, wie wenig in 
Asiatischen Ländern das Volk mit den Revolutionen ihrer Regierungen zu thnn hat. 
Es wird nie von einem grossen und allgemeinen Antrieb oder Volksgcfühl geleitet und 
nimmt keinen Theil an Ereignissen, welche von dem höchsten Interesse und von der 
grössten Wichtigkeit für ihr Vaterland und ihr eigenes Gedeihen sind." MMm-do, On 
the cauntry of Sind]; in dem Journal of Aßiai- Svßieiy I, 250. Vergl. Herder, Ideen 
zur Geschichte III, 114, ja sogar Alisovfs History Qf Europe X, 419, 420.
        

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