Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1006667
der Naturgesetze. 
Einüuss 
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Dies war die erste grosse Folge, die für Indien aus der Billig- 
keit und dem Ueberfluss der allgemeinen Nahrung des Volkes ent- 
sprang! 7) Aber der Uebelstand hat hier keineswegs seine Grenze. 
In Indien, wie überall, reizt Armuth zur Verachtung und giebt 
Reichthum Macht. Unter übrigens gleichen Verhältnissen müssen 
Klassen, wie Einzelne, je reicher sie sind, desto grösseren Einiiuss 
besitzen. Es liess sich daher erwarten, dass eine ungleiche Ver- 
theilung des Reichthums eine ungleiche Machtvertheilung nach sich 
ziehn würde; und da es keinen Fall in der Geschichte giebt, dass 
eine Klasse Macht besessen und sie nicht gemissbraucht hatte, so 
können wir leicht begreifen, wie es kam, dass die Indier, durch 
die physischen Gesetze ihres Klimas zur Armuth verdammt, in eine 
Erniedrigung versunken sind, aus der sie sich nie haben erheben 
können. Nur einige Beispiele, um ein Princip, welches die bis- 
herige Erörterung hoffentlich über allen Zweifel erhoben hat, mehr 
zu erläutern, als zu beweisen. 
Der grossen Masse des Indischen Volks hat man den Namen 
Sudras gegeben, " S) und die einheimischen Gesetze enthalten einige 
kleinliche und sonderbare Bestimmungen über sie. Wenn einer aus 
dieser verachteten Klasse sich herausnahm, denselben Sitz einzu- 
nehmen, wie seine Oberen, so sollte er entweder verbannt werden 
oder eine schmerzliche und schmachvolle Strafe erleidenf") Wenn 
77) Turner, der 1783 durch das nordöstliche Bengalen reiste, sagt: „Die änsserste 
und kläglichste Armuth dieses Volks drängt sich uns auf, wenn wir bedenken, wie 
wenig zum Unterhalt eines Bauers in diesen Gegenden nöthig ist. Selten wird es den 
Werth eines Penny (l Sgr.) übersteigen, selbst wenn wir ihm. seine Mahlzeit aus zwei 
Pfund Reis, gekocht mit Salz, Oel, Gemüse, Fisch und Chili, bereiten lassen." Turnefs 
Anzbassy to Tibet, 11; Ibn Batuta, der im 14. Jahrhundert in Hindostan reiste, sagt 
S. 194: "Ich habe kein Land gesehen, wo Lebensmittel so wohlfeil wären." 
78) Ward, View of the Hindnos llI, 281, schätzt "die Sudras auf 3]; der Hindus." 
Jedenfalls umfassen sie die Gesammtheit der arbeitenden Klassen, da die Vaisyas nicht 
Landbebauer, wie sie oft genannt werden, sondern Gutsherrn, Viehhalter und Händler 
sind. Vergl. Institutes of Memo ch. IX. sec. 326-333 in den Werks of Sir 717. Jones 
III, 380, 381 mit Oolebrookds Digest I, 15, woraus erhellt, dass die Vaisyas immer 
die Herren waren und dass der Sudra "seinen Unterhalt vom Feldbau zu ziehn hatte." 
Die Theilung Elphinstones, Hist. qf Ind. 12, in Industrielle und Sklaven ist daher zu 
allgemein und ich glaube, wir haben uns an Rhode's Bestimmung zu halten, Religion 
der Hindus 11, 561: „Die Kaste der Sudras umfasst die ganze arbeitende oder um 
Lohn dienende Klasse des Volks." 
79) "Entweder soll er mit einem Brandmal auf dem Hintern verbannt werden, 
oder der König soll ihm einen Schlitz in den Hintern machen lassen." Inst. of Menu, 011, 
VIII. scc. 281, in den W orks of Sir W. Jones III, 315. Wwrdäa View of the Hindoas III, 67.
        

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