Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1006552
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Einiiuss 
der Naturgesetze. 
seiner Richtigkeit finden. Ja, es giebt nicht einen einzigen Beweis 
für das Gegentheil. In Asien, Africa und Americ-a hatte immer die 
alte Civilisation ihren Sitz in heissen Klimaten und überall war der 
Arbeitslohn sehr niedrig und daher der Zustand der arbeitenden 
Klassen sehr gedrückt. In Europa entstand zuerst eine Oivilisation 
in einem kälteren Klima. Dadurch wuchs der Lohn für die Arbeit 
und wurde die Vertheilung; des Reichthums mehr ausgeglichen, als 
dies in Gegenden möglich War, WO ein überschwäinglicher Ucber- 
fluss von Nahrungsmitteln (las Wachsthum der Bevölkerung an- 
spornte. Dieser Unterschied brachte, wie wir gleich sehen werden, 
eine Menge socialer und politischer Folgen von der äussersten 
Wichtigkeit hervor. Ehe wir diese jedoch erörtern, sei bemerkt, 
dass die einzige scheinbare Ausnahme von unsrer Ausführung eine 
solche ist, die das allgemeine Gesetz aufs augenfälligste bestätigt. 
Es ist nur ein Beispiel, ein einziges, dass ein grosses Europäisches 
Volk eine sehr wohlfeile allgemeine Nahrung besitzt; dies Volk, 
ich brauche es kaum zu sagen, ist das Irische. In Irland haben 
die arbeitenden Klassen länger als 200 Jahre vornehmlich von Kar- 
toffeln gelebt, welche bei ihnen spät im 16. oder früh im 17. Jahr- 
hundert 45) eingeführt wurden. Nun war die Kartoffel bis zu ihrer 
Krankheit, und ist wohl noch, wohlfeiler als irgend eine andre 
eben so gesunde Nahrung. Vergleichen wir ihre Ertragsfahigkeit 
mit dem Nahrungsstoif, den sie enthält, so iinden wir, dass ein 
Morgen mittelguten Landes mit Kartoffeln bepflanzt zweimal so 
viel Menschen ernähren kann, als dasselbe Land mit Weizen be- 
stelltßß) Die Folge ist, dass in einem Lande, wo die Menschen 
von Kartoffeln leben, die Bevölkerung unter sonst leidlich gleichen 
45) Meyen, Gaagraplzy of plants 1846, p. 313, sagt: die Kartoffel wäre 1586 in 
Irland eingeführt worden; aber nach M Wulloolz, Dißlionary of aommercc 1849, p. 1048, 
wurden die Kartoffeln, wie allgemein angenommen wird, nicht vor 1610 in Irland ein- 
geführt; da sandte Sir Walter Raleigh einige hin, um sie auf seinem Gut in der Nähe 
von Youghal im Garten pflanzen zu lassen. Vergl. London's Encyclop. of agricultwre 
845: „zuerst von Sir Walter Raleigh auf seinem Gute bei Youghal in der Nähe von 
Gork gepflanzt." 
46) Adam Smifh, Wealth af nat-ions I, eh. XI, B7, nimmt an, dass es dreimal so 
viel ernähren würde, aber die Statistik ist die schwächste Seite dieses grossen Schrift- 
stellers nnd die genaueren Berechnungen, die später gemacht sind, sprechen für unsre 
Angabe. So Loudorfs Encycl. of agriczolture 5. ed. p. 845, und M'0ullock's Dm, 
p. 1048. Der tägliche Verbrauch eines gesunden Arbeiters in Irland ist auf  Pfd. 
Kartoffeln, einer Arbeiterin auf 74h Pfd. berechnet worden. Siehe Phillzlzrs On scro- 
fulrv 1846, p. 177.
        

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