Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1006366
der 
Einfluss 
Naturgesetze. 
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auf zweierlei Weise geltend machen. Zuerst liegt die Betrachtung 
sehr nahe, dass die Menschen bei starker Hitze nicht aufgelegt 
und gewisser Massen unfähig zu der Thätigkeit und zu dem Fleisse 
sind, welche sie in einem milderen Klima bereitwillig anwenden 
würden. Die andere Bemerkung, die nicht so leicht gemacht wird, 
aber eben so stark ins Gewicht fällt, ist, dass die Arbeit von dem 
Klima nicht nur durch Entnervung und Erschlaffung des Arbeiters 
beeinflusst wird, sondern auch durch die Wirkung, die es auf die 
Regelmässigkeit seiner Lebensweise ansübtß) So finden wir, dass 
kein Volk in einer hohen nördlichen Breite jemals den stetigen 
fortgesetzten Fleiss besessen hat, wodurch sich die Einwohner der 
gemässigten Zone auszeichnen. Der Grund dafür wird klar, wenn 
wir bedenken, dass in den nördlichern Gegenden die Strenge des 
Winters und der theilwveise Mangel des Lichts es dem Volke un- 
möglich machen, seine gewöhnliche Beschäftigung im Freien fort- 
zusetzen. Die Folge ist, dass die arbeitenden Klassen, weil sie 
ihre gewöhnliche 'l'hätigkeit abbrechen müssen, zu unordentlichen 
Gewohnheiten geneigter werden; die Kette ihrer Thätigkeit wird 
gleichsam zerrissen, und sie verlieren den Trieb, welchen eine lang 
fortgesetzte und ununterbrochene Uebung unfehlbar eintlösst. Da- 
raus entsteht ein Nationalcharakter, der mehr von Eigensinn und 
Launen hat, als der Charakter eines Volkes, dem sein Klima die 
regelmässige Ausübung seiner gewöhnlichen Arbeit gestattet. Dies 
Gesetz ist in der That so mächtig, dass wir es unter ganz ent- 
gegengesetzten Umständen in Wirkung sehen. Es möchte schwer 
sein, sich eine grössere Verschiedenheit in Regierung, Gesetzen, 
Religion und Sitten vorzustellen, als zwischen Schweden und Nor- 
wegen einerseits, und Spanien und Portugal andrcrseits statt findet. 
Aber diese vier Länder haben eine grosse Aehnlichkeit. In allen 
vieren ist fortgesetzte Feldarbeit unmöglich. In den zwei südlichen 
Ländern wird die Arbeit durch die Hitze, durch die Trockenheit 
und durch den Zustand des Bodens unterbrochen, der dadurch ent- 
steht. In den beiden nördlichen Ländern wird die nämliche Wir- 
kung durch die Strenge des Winters und die Kürze der Tage her- 
vorgebracht. Die Folge ist, dass diese vier Völker, die in andrer 
Hinsicht so verschieden sind, sich alle durch eine gewisse Unstätig- 
4) Dies ist von drei denkenden Männern, die über das Klima geschrieben: Mon- 
tesquieu, Humc und Charles Oomte in seinem Traitä de Legislation übersehen worden. 
Auch in Guizots Bemerkungen über den Einfluss des Klimßfs ist diese Wirkung Weg- 
gelassen, Civilisation an Europa, p. 97.
        

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