Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1010313
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Geschichte 
des Engl. 
Geistes 
gebildet hatte, die seine Interessen selbst im Parlament mit Erfolg 
vertheidigte. 
Diese grosse und heilsame Reaetion begann im Anfange des 
gegenwärtigen Jahrhunderts, aber die Verhältnisse jener Zeit sind 
so äusserst verwickelt und so wenig studirt werden, dass ich hier 
auch nicht einmal eine Skizze derselben versuchen kann. Es ge- 
nüge zu bemerken, dass diese Bewegung, wie allbekannt, fast 
50 Jahre mit unverminderter Schnelligkeit ihren Fortgang genommen. 
Alles was verging, verstärkte den Einfluss des Volks. Schlag auf 
Schlag fiel gegen die Klassen, welche einst die Macht allein in 
Besitz hatten. Die Reformbill, die Emancipation der Katholiken 
und die Zurücknahme der Korngesetze sind eingestandener Maassen 
die drei grössten Erfolge in unserer Generation. Jede dieser be- 
deutenden Maassregeln hat eine mächtige Partei in ihre Schranken 
gewiesen. Die Ausdehnung des Stimmrechts hat den Einfluss des 
Erbadels geschwächt und die grosse Oligarchie der Landbesitzer 
aufgelöst, von der das Unterhaus so lange beherrscht worden war. 
Die Abschaffung der Schutzzölle hat die Landaristokratie noch mehr 
geschwächt, während jene abergläubischen Gcsinnungen, wodurch 
der Stand der Geistlichen vornehmlich gestützt wird, einen bedeu- 
tenden Stoss erhielten zuerst durch die Zurücknahme der Glaubens- 
und Corporationsacte, und dann durch die Zulassung der Katholiken 
in's Parlament, Schritte, welche mit Recht als Vorgänge von nach- 
theiliger Bedeutung für die Interessen der Staatskirche angesehen 
werdenß M) Diese und andere jetzt offenbar unumgängliche Maass- 
regeln haben bestimmten Klassen der Gesellschaft Macht entzogen 
und werden ihnen noch mehr entziehn, um sic dem Volk im Ganzen 
und Grossen zu übertragen. Ja, der reissende Fortschritt demokra- 
tischer Ansichten ist eine Thatsaehe, die heutiges Tages niemand 
mehr zu leugnen wagt. Furchtsame und unwissende Menschen 
407) Bischof Burgess beklagt sich in einem Briefe an Lord Melburne bitterlich, 
"dass die Emaneipation der Katholiken der brittischen Gesetzgebung ihren rein pro- 
testantischen Oharakter nehmeß Havforvfs Lzfe of Burgess 506, 238, 239, 369, 370. 
Der Bischof beurtheilte die Gefahr seiner Partei ganz richtig, und ein anderer Bischof 
(Tomlinefs Life of Pitt II, 604) sagt: „Die Corporations- und Glaubensacte wurden 
mit Recht als die stärksten Bollwerke (ler britischen Constitutioxi angesehen." In 
einer Versammlung der Bischöfe im Jahr 1787 wollten nur zwei Mitglieder diese in- 
quisitorisohen Gesetze abgeschafft haben. Bislzop Watson, Lqfe of ltiznseß Lord Eldon, 
der die Kirche bis aufs letzte vertheidigte, erklärte die Zurücknahme dieser Gesetze 
für "einen revolutionären Vorschlag." Twiss, Life of Eldon II, 202.
        

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