Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1009922
70m 
16. bis zum 
18. Jahrh. 
395 
schaft zu deduciren, die für die Handels- und Finanzinteressen des 
Landes brauchbar wäre. Weiter wollte er nicht gehen, denn er 
wusste, dass mit dieser einzigen Ausnahme alle andern Zweige 
der Politik völlig empirisch wären und es wahrscheinlich noch 
lange bleiben würden. Daher erkannte er die grosse Lehre in 
ihrer ganzen Tragweite an, die selbst in unsern Tagen noch zu 
oft vergessen wird, dass der Zweck des Gresetzgebers nicht die 
Wahrheit, sondern die Zweckmässigkeit sein müsse. Hinsichtlich 
des Zustandes der Wissenschaft musste er zugeben, dass alle politi- 
schen Principien aus eiliger Herleitung von wenigen Thatsachen 
abgezogen sind, und dass es daher weise ist, wenn man neue That- 
sachen hinzufügt, die Ableitung zu revidiren und statt die Praxis 
den Principien zu opfern, seine Principien zu modificiren, um die 
Praxis zu ändern. Oder, um dies anders auszudrücken, er sagt, 
Principien sind im besten Fall nur das Ergebniss der menschlichen 
Vernunft, während die politische Praxis mit der menschlichen Natur 
und menschlichen Leidenschaften zu thun hat, von denen die Ver- 
nunft nur einen Theil ausmacht, 29 1) und deshalb ist das wahre 
Geschäft des Staatsmannes, die Mittel aufzufinden, wodurch gewisse 
Zwecke erreicht werden, und es der allgemeinen Stimme des Volks 
zu überlassen, diese Zwecke zu bestimmen, und sein Betragen 
nicht nach seinen Principien einzurichten, sondern nach dem Wunsche 
des Volks, für das er Gesetze giebt, und dem zu gehorchen seine 
Pflicht istß") 
 
99') „Die Politik sollte nicht der menschlichen Vernunft, sondern der mensch- 
lichen Natur, von der die Vernunft nur einen Theil und keineswegs den grössten 
bildet, angepasst werden." Observations an the stufe of the nation in Burkds Werks 
I, 113. Daher der Unterschied, den er immer im Auge behielt, zwischen den Ge- 
danken der Philosophie, die unantastbar, und denen der Politik, die schwankend sein 
müssten, und daher sagt er in seinem schönen Werk Wmughta on tlze muse of the 
present disoovztents I, 136: "Für bürgerliche und politische Klugheit lassen sich keine 
Regeln geben. Sie sind nicht genau zu definiren." Siehe auch 151, worauf er seine 
Vertheidigung des Parteigeistes gründet. Wäre Wahrheit der Hauptgegenstand der 
Politik, so liesse sich die Idee der Partei als solche nicht vertheidigen. Vergl. hier- 
mit den Unterschied "der Wahrheit an sich" und „ der soeialen Wahrheit" von Rey 
in seiner Science saciale II, 322, Paris 1842. 
 1780 sagte er dem Unterhause mit dürren Worten, „das Volk wäre der Herr. 
Es habe nur seine Bedürfnisse im Allgemeinen und im Groben auszudrücken." "Wir 
sind," sagt er weiter, "die erfahrenen Künstler; wir sind die geschickten Arbeiter, 
ihre Wünsche in eine vollkommene Form zu bringen und das Geräth zum Gebrauch 
herzurißhten. Die Bürger fühlen das Leiden, sie sagen uns die Symptome der Krank-
        

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