Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1009333
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Geschichte 
Engl. 
des 
Geistes 
mit Ausnahme der habgierigen Verworfenen, die sich an seinen 
Hof drängten, lernten alle Klassen sehr bald einen König verachten, 
der ein Trunkenbold, ein Wollüstling und ein Heuchler war, der 
weder Scham noch Verstand hatte, der nicht so viel Ehre besass, 
dass er werth gewesen wäre, dem geringsten seiner Unterthanen 
gegenüber zu treten. Dass ein solcher Mann ein Viertel-Jahrhundert 
auf dem Thron sass, war der sicherste Weg, die unwissende und 
blinde Loyalität zu schwächen, der die Völker oft ihre theuersten 
Interessen geopfert haben. So war der Charakter des Königs schon 
aus diesem Gesichtspunkte allein dem Aufschwung der Volksfreiheit 
äusserst günstigß 08) Aber sein Nutzen geht noch weiter. KarPs 
ungezügelte Ausschweifungen gaben ihm einen Wider-willen gegen 
Alles, was nach Zwang aussah, und machte ihm eine Klasse un- 
angenehm, die wenigstens ihrem Bekenntnisse nach ein Betragen 
von ungewöhnlicher Sittenreinheit erfordert. Die Folge war, dass 
er nicht aus aufgeklärter Politik, sondern bloss wegen seiner laster- 
haften Neigungen immer eine Abneigung gegen den Klerus hatte, 
dessen Ansehn durchaus nicht befördelte, ja sogar oft öffentlich 
seine Verachtung gegen ihn aussprachl M) Seine vertrautesten 
Freunde richteten jene rohen und gemeinen Scherze gegen den 
m) Hallam hat eine schöne Stelle über die Dienste, welche die Laster des Eng- 
lischen Hofes der Englischen (Zivilisation geleistet. Er sagt Gunst. Itist. II, 50: "Wir 
sind jedoch dem Andenken der Herzogin Barbara. von Cleveland, der Herzogin Louise 
von Portsmouth und der Madame Eleonor Gwyn zu grossem Dank verpflichtet, eben 
sc den Mays, den Killigrews, den Chifiinches und den Grammonts; sie spielten eine 
nützliche Rolle in der Befreiung des Landes von seiner thörichten Loyalität. Sie 
retteten unsere Vorfahren von der Sternkammer und von dem Gericht der hohen Com- 
mission; sie wirkten in ihrem Beruf gegen stehende Armeen und Bestechung und be- 
förderten die grosse und letzte Garantie der Englischen Freiheit, die Vertreibung des 
Hauses Stuart." 
409) Burnet (Own timc 1, 448) sagt uns: Im Jahre 1667 habe der König selbst 
in der geheimen Rathssitzung sich gegen die Bischöfe ausgesprochen und gesagt, der 
Klerus denke an nichts als gute Stellen und einen guten Tisch. Ueber seine Ab- 
neigung gegen die Bischöfe siehe auch II, 22 und Pepyd Diary IV, 2. Anderswo, 
IV, 42, schreibt Pepys: "Ich glaube, die Hierarchie wird bald einen Stoss erleiden, 
sie mag wollen oder nicht, der König fühlt sich von ihr beleidigt und ist, wie ich 
höre, darauf versessen." Evelyn erwähnt dieses Betragen Karl's in einer Unterredung 
mit Pepys mit Bedauern, "man sehe nie einen Bischof bei ihm und der König von 
Frankreich hätte doch immer einen um sich." Pepys III, 201. In seiner wohlwollen- 
den Weise schreibt Evelyn dies „ der Nachlässigkeit des Klerus" zu; aber die Ge- 
schichte lehrt uns, dass die Priester nie die Könige vernachlässigten, ausser wenn die 
Könige sie zuerst vernachlässigten. Sir John Reresby giebt uns einen merkwürdigen
        

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