Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1009228
vom 
bis 
zum 
Jahrh. 
325 
Meteorologie ist noch nicht zu einer Wissenschaft erhoben, die 
Gesetze, welche Winde und Stürme bestimmen, sind folglich noch 
nicht bekannt. Daraus folgt ganz natürlich, dass die Menschen- 
klasse, welche ihren Gefahren am meisten ausgesetzt ist, dem Aber- 
glauben gerade am meisten unterworfen sein mussß l) Die Soldaten 
hingegen leben auf einem Element, das dem Menschen mehr unter- 
worfen ist, und sind Gefahren, die aller Berechnung der Wissen- 
schaft Trotz bieten, weniger ausgesetzt als die Seefahrer. Die 
Soldaten brauchen sich daher weniger an übernatürliche Hülfe zu 
wenden, und es wird allgemein bemerkt, dass sie im Ganzen 
weniger abergläubisch sind als die Seefahrer. Und wenn wir 
Ackerbauer und Fabrikleute mit einander vergleichen, werden wir 
dasselbe Princip in Wirksamkeit sehen. Für den Bauer ist das 
Wetter etwas sehr wichtiges; ist es ungünstig, so kann es alle 
seine Berechnungen zu Schanden machen. Nun hat die Wissen- 
schaft die Gesetze des Regens noch nicht entdecken können, und 
man kann ihn noch nicht auf lange Zeit vorhersagen; so wird der 
Landmann zu dem Glauben verleitet, er komme aus einer übernatür- 
lichen Quelle, und wir sehen in unsern Kirchen noch das sonder- 
bare Schauspiel, dass Gebete um trocknes Wetter oder um Regen 
abgehalten werden, ein Aberglaube, der einem künftigen Zeitalter 
ebenso kindisch erscheinen wird, als die Gefühle eines frommen 
Schreckens, womit unsre Vorfahren die Erscheinung eines Kometen 
oder das Eintreten einer Sonnenfinsterniss betrachteten. Wir sind 
jetzt mit den Gesetzen der Bewegungen der Kometen und der 
Sonnenfinsternisse bekannt, und da wir ihr Auftreten vorhersagen 
können, so beten wir nicht mehr darum, vor ihnen bewahrt zu 
bleibenß i) Aber weil unsere Untersuchungen über den Regen nicht 
3') Als Andokides vor dem Dikesteriilm in Athen angeklagt wurde, sagte er: 
"Nein, Ihr Richter, die Gefahren der Anklage und des Gerichtsverfahrens sind mensch- 
lich, aber die Gefahren zur See sind göttlich." Grotds Hist. of Greece XI, 252. So 
ist ebenfalls bemerkt worden, dass die Gefahren des Wallfischfangs den Aberglauben 
der Angelsachsen erhöht hätten, siehe Kemblds Saxom- in England I, 390, 391; 
Erman, welcher von der gefährlichen Schifffahrt auf dem Baikal-See spricht, sagt: 
„In Irkutsk heisst es, nur auf dem Baikal-See im Herbste lerne ein Mensch von 
Herzen beten." Ermmfs Tnwels in Siberia II, 186. Ö 
39) In Europa floh im 10; Jahrhundert eine ganze Armee vor einer Erscheinung, 
die jetzt kaum ein Kind in Schrecken setzen würde. "Die ganze Armee Otto's lief 
plötzlich auseinander bei der Erscheinung einer Sonneniinsterniss, die sie mit Schrecken 
erfüllte und die man als die Verkündigung eines lange erwarteten Unglücks ansah." 
Sprenyel, Hist. dc Zu mädecine II, 360. Erst im 18. Jahrhundert verlor sich die
        

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