Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1009213
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Geschichte des Engl. 
Geistes 
Wunderbaren wird verhältnissmässig vermindert, und wenn irgend 
"eine Wissenschaft so weit fortgeschritten ist, dass die, welche sie 
inne haben, die Ereignisse vorher sagen können, mit denen sie 
sich befasst, so sind natürlich alle diese Ereignisse mit einem Male 
aller übernatürlichen Einwirkung entzogen und natürlichen Mächten 
unterworfenß") Das Geschäit der Naturwissenschaft ist, äussere 
Ereignisse mit der Absicht, sie vorherzusagen, zu erklären; und 
jede richtige Vorhersagung wird von dem Volke anerkannt und 
zerreisst eins von den Gliedern, welche die Einbildung gleichsam 
an eine verborgene und unsichtbare Welt knüpfen. Darum muss 
unter übrigens gleichen Verhältnissen der Aberglaube eines Volks 
immer in genauer Proportion zu der Ausdehnung seiner Natur- 
kenntniss stelm. Dies lässt sich bis zu einem gewissen Grade 
durch die gewöhnliche Erfahrung des Mensehengeschlechts bestätigen. 
Denn wenn wir die verschiedenen Stände der Gesellschaft verglei- 
chen, so werden wir iinden, dass sie in dem Maasse abergläubisch 
sind, wie die Phänomene, mit denen sie in Berührung kommen, 
ihnen durch Naturgesetze erklärt worden sind oder nicht. Der 
Aberglaube der Seefahrer ist bekannt und jede Literatur giebt uns 
Belege von der Menge ihrer abergläubischen Vorstellungen und von 
der Hartnäckigkeit, womit sie daran festhaltenß") Dies lässt sich 
vollkommen aus dem Princip erklären, das ich aufgestellt. Die 
von der Religion erheben werden, die langsam, aber sicher beiquns Boden gewinnt. 
Kant, wahrscheinlich der tiefste Denker des 18. Jahrhunderts, sah deutlich, dass keine 
Gründe aus der Aussenwelt genommen, das Dasein einer ersten Ursache beweisen 
könnten. Unter andern Stellen siehe zwei besonders merkwürdige in der Kritik der 
reinen Vernunjit, Kanfs Werke I1, 478, 481, über den physikotheologischen Beweis. 
79) Dies wird sehr scharf ausgedrückt durch Lamennais: "Warum gravitiren die 
Körper gegen einander? Weil Gott es gewollt hat, sagten die Alten. Weil die Körper 
sich anziehen, sagt die Wissenschaft." Maury, Lägendes du moyßn age 33 ; Mackayfs 
Rcligious development I, 5, 30, 31 und anderswo. Siehe auch eine parteiliche Dar- 
stellung des Gegensatzes xin Oopleston, Inquiry into necessity und predestination; ein 
geseheidtes aber übersehätztes Buch. 
s") Ich bedauere sehr, dass ich hiervon keine Beweise in einer früheren Zeit 
meiner Lectüre gesammelt habe. S0 kann ich jetzt über den Aberglauben der See- 
fahrer nur anführen: Heberäs Journey througiz India I, 423; Richardsorfs Travcls in 
tlze Salmra I, 11; Bnrckhardfs Trcwels in Ardbia II, 347; Dzwisf Chinese III, 16, 17; 
Trewels of Ibn Baiuta in the 14. centwy 43; Journal of Asiut. soo. I, 9; Werks of 
Sir Thomas Browne I, 130; Alisoniv Hist. of Europa IV, 566; Burnmf Travels into 
Bokhara III, 53; Leiglz Hunfs Autobioyraplzy 1850, II, 255; Cwnberlandäe Memoirs 
I, 422-15; Walslf Brazil 1, 96, 97; RichardsonC-z Arctic expcdilion I, 93; Hal- 
vrqffs Memoirs I, 207, Ill, 197.
        

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