Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1009206
"VON 
ZUTII 
bis 
Jahrh. 
323 
beitragen, jenen auffallenden Widerstreit, der immer zwischen Aber- 
glauben und Wissenschaft bestanden hat , zu erklären.  
Es ist offenbar, eine Nation, die gänzlich unwissend über die 
natürlichen Gesetze ist, wird alle Erscheinungen, die sie umgeben, 
auf übernatürliche Ursachen zurückführen] 1) aber sobald die N atur- 
wissenschaft ihr Werk beginnt, sind die Elemente einer grossen 
Veränderung gegeben. Jede neue Entdeckung beraubt die Natur- 
erscheinungen durch die Auffindung ihrer Gesetze des scheinbaren 
Geheimnisses, Womit sie früher umhüllt warenJ 8) Die Liebe zum 
77) Die speculative Perspectivc dieser Richtung ist kürzlich sehr ausführlich von 
Aug. Comte in seiner Philosophie positive erläutert worden, und seine Schlüsse hin- 
sichtlich des frühesten Zustandes des menschlichen Geistes werden durch Alles be- 
stätigt, was wir von barbarischen Völkern wissen, und wie er entschieden bewiesen 
hat, auch durch die Geschichte der Naturwissenschaft. Ich füge hinzu, dass auch 
die Geschichte der Geologie ähnliche Beweise, wie er aus andern Fächern gesammelt 
hat, giebt. Eine populäre Vorstellung von der Wirkung dieses Glaubens an über- 
natürliche Ursachen können wir an einem Umstande sehen, den Combe erzählt. Er 
sagt, in der Mitte des 18. Jahrhunderts war das Land westlich von Edinburg so un- 
gesund, dass die Pächter und ihr Gesinde jeden Frühling vom Wechselfieber heimge- 
sucht wurden. S0 lange man die Ursache davon nicht kannte, hielt man die Sache 
für eine Heimsuchung der Vorsehung; später aber wurde das Land entwässert, die 
Wechseliieber verschwanden und die Einwohner merkten, dass was sie für übernatür- 
lich hielten, vollkommen natürlich gewesen war und dass der Zustand des Landes, 
nicht das Eingreifen der Gottheit es verursacht hatte. Oombe, Constitut. of man 156. 
79) Ich sage scheinbares Geheimniss, weil es das wirkliche Geheimniss nicht ver- 
mindert. Aber dies trifft nicht die Richtigkeit meiner Bemerkung, da das Volk im 
Ganzen sich nie auf solche Feinheiten, als den Unterschied von Gesetz und Ursache, 
cinlässt, ein Unterschied, der in der That so sehr vernachlässigt wird, dass er oft 
selbst in wissenschaftlichen Werken unbeachtet bleibt. Was die Leute wissen, ist 
nur, dass Ereignisse, die sie einst dem unmittelbaren Eingriff der Gottheit zusehrieben, 
nicht nur vom menschlichen Verstande vorhergesagt, sondern auch durch menschliches 
Eingreifen abgeändert werden. Die Versuche, welche Paley und Andere gemacht haben, 
dies Geheimniss dadurch zu lösen, dass sie von den Gesetzen zur Ursache aufsteigen, 
sind offenbar nichtig, weil dem Auge der Vernunft die Lösung eben so unbegreiflich 
ist als das Problem; und die Schlussfolgerungen der natürlichen Theologen müssen, 
so lange sie solche sind, von der Vernunft abhängen. Newman sagt ganz richtig: 
"Ein Gott ohne Ursache und von Ewigkeit her existirend, ist völlig so unbegreiflich 
als eine Welt ohne Ursache und von Ewigkeit her existirend. Wir müssen die letztere 
Theorie nicht als unbegreiflich verwerfen, denn jede mögliche andere Theorie ist eben 
so unbegreiiiich." Neuzmarfs Nutural history of the soul 1849, 36. Die Wahrheit 
dieses Schlusses wird nnbewusster Weise durch die Vertheidignng der alten Methode 
bestätigt, welche Dr. Whewell in seinem Bridgewater" treatise 262-265 aufstellt; denn 
die Bemerkungen, die der gelehrte Schriftsteller macht, passen auf Menschen, welche 
wegen ihrer grossen Geistesgaben sich vermuthlich zu jener transcendentalen Ansicht 
 21'
        

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