Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008980
VOIII 
zum 
bis 
Jahrh. 
301 
Staatskirche abwich. Es ist wirklich ein höchst merkwürdiger Be- 
weis von der wunderbaren Kraft der grossen Bewegung, die da- 
mals vor sich ging, dass ihr Druck unter Verhältnissen, Welche 
ihr so feindlich als möglich waren, empfunden wurde und dass ein 
Freund von Laud und ein Stipendiat von Oxford in einer ernst- 
haften theologischen Abhandlung entschiedene Umsturzprincipien 
gegen den theologischen Geist, der ganz Europa so. viele Jahr- 
hunderte in Sklaverei gehalten hatte, niederlegte. 
In diesem grossen Werk wird in religiösen Dingen aller Au- 
torität oEen Trotz geboten. Freilich hatte Hocker von der Ent- 
scheidung der Kirchenvater an die Entscheidung der Vernunft ap- 
pellirt; er hatte jedoch Sorge getragen, hinzuzusetzen, dass die 
Vernunft der Einzelnen sich vor der Vernunft der Kirche beugen 
müsse, wie wir sie in den grosscn Concilien und in der allge- 
meinen Stimme kirchlicher Ueberlieferung ausgedrückt findenßä) 
Aber Chillingworth wollte von nichts dergleichen hören. Er wollte 
keinen Vorbehalt zulassen, welcher dahin ginge, das heilige Recht 
des Urtheils des Einzelnen zu beschränken. Er ging nicht nur 
weit über Hocker in Vernachlässigung der Kirchenvater") hinaus, 
er wagte sogar, die Concilien zu verachten. Zwar war es der 
einzige Gegenstand seines Werks, über die streitenden Ansprüche 
der beiden Hauptsecten, in welche die christliche Kirche sich ge- 
spalten hatte, zu entscheiden; dennoch führt er nie_ die Concilien 
auch nur als Autoritäten der Kirche an, um derentwillen der Streit 
geführt wurdef") Sein starker und feiner Verstand drang bis auf 
den Grund seines Gegenstandes und verachtete die Art von Streitig- 
keit, welche so lange die Gemüther der Menschen beschäftigt hatte. 
'15) Hookefs ungehöligen Respeet für die Concilien der Kirche hat Hallam (Uonst. 
bist. 213) hervorgehoben. CoIeridge (Litemry remains III, 35, 36) macht einige zag- 
hafte Bemerkungen. 
26) Die Kirchenväter zu lesen, nennt er verächtlich eine Reise nach einer nord- 
westlichen Durchfahrt zu machen. Cleilliazgwortlt, Religion qf Protestants 366. Selbst 
gegen Augustin, der doch wohl der bedeutendste von ihnen ist, zeigt Ohillingworth 
keine Achtung. Siehe 196, 333, 376; und was die Autorität der Kirchenväter im 
Ganzen betrifft, s. 252, 346. Chillingworth bemerkt mit einer glücklichen Wendung, 
die Kirchlichen "nennen sie Väter, wenn sie für sie, und Kinder, wenn sie gegen 
sie sind." Oalanzyfs Life I, 253. 
'27) "Heber die Autorität, welche die Concilien haben sollten, siehe ebendaselbst 
S. 132, 463. Es giebt einen interessanten Beweis von dem langsamen Fortschritt der 
Theologen, wenn man beachtet, in welch einem ganz andern Geist manche von unsern 
Geistlichen diese Dinge betrachten, z. B. Palmer, On tlae clmrcla 1839, 11, 150-171.
        

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