Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008951
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Geschichte 
des Engl. 
Greistes 
war der letzte Athemzugi des sterbenden Fanatismus, und seit jenem 
denkwürdigen Tage ist der Boden Englands nie wieder mit dem 
Blute eines Menschen befleckt worden, der für seinen Glauben hinv 
gerichtet werden wäreß ü) 
So haben wir den Skcpticismus entstehen sehen, der in der 
Naturwissenschaft allemal der Anfang des Wissens und in der Re- 
ligion allemal der Anfang der Duldung sein muss. Es leidet in 
der That keinen Zweifel, dass in beiden Fallen einzelne Denker 
durch eine grosse Anstrengung ihres originellen Geistes sich von 
der Wirkung dieses Gesetzes frei machen können. Aber im Fort- 
schritt der Nationen ist eine solche Befreiung nicht möglich. So 
lange die Menschen die Bewegungen der Kometen unmittelbar dem 
Finger Gottes zuschreiben und so lange sie glauben, dass eine 
Sonnenfinsterniss der Gottheit unter andern dazu dient, ihren Zorn 
auszudrücken, so lange werden sie sich nie der gotteslästerlichen 
Anrnaassung schuldig machen, eine so übernatürliche Erscheinung 
vorhersagen zu wollen. Ehe sie die Ursachen dieser geheimniss- 
vollen Erscheinungen zu untersuchen wagten, mussten sie noth- 
wendig glauben oder wenigstens vermuthen, dass die Erscheinungen 
selbst einer Erklärung durch den menschlichen Verstand fähig 
wären. Eben so, ehe die Menschen sich entschliessen, ihre Religion 
bis zu einem gewissen Grade vor das Tribunal ihrer Vernunft zu 
ziehen, können sie nie einsehen, warum es verschiedene Glaubens- 
bekenntnisse geben solle oder wie irgend Jemand von ihnen ab- 
weichen könne, ohne sich eines gröblichen und unverzeihlichen 
Verbrechens schuldig zu machen! 7) 
w) Zur Ehre des 00m1 of clm-ncery sollte bemerkt werden, dass am Ende des 16. 
und am Anfang des 17. Jahrhunderts er seine Macht gegen die Ausführung der grau- 
samen Gesetze richtete, mit denen die Englische Kirche Andersgläubige verfolgen 
durfte. Siehe Oampbelfs Ulzancellors II, 135, 176, 231. 
47) Jemandem daher Mangel an Elirfurcht vorzuwerfen, weil er keine Achtung 
vor dem hat, was wir verehren, ist entweder überflüssig oder eine blasse Begriffs- 
verwirrung. Die 'l'hatsache, sofern sie wahr ist, gereicht ihm nicht zum Vorwurf, 
sondern zur Ehre. Alle Personen und alle Dinge zu verehren ist durchaus verkehrt; 
das zu verehren, was es nicht verdient, ist keine Tugend, nein, nicht einmal eine 
liebenswürdige Schwäche, snndern einfach Thorheit und Unrecht. Wenn es aber heissen 
soll, dass es dem an der richtigen Ehrfurcht fehlt, der das nicht ehrt, was wirklich 
verehrt zu werden verdient, so heisst dies die ganze Schwierigkeit vorweg nehmen, 
denn was wir einen Gott nennen, das ncnntier einen Götzen; und wie wir, wenn wir an- 
nehmen, dass wir Recht haben, nioderfallen und anbeten müssen, so muss er nicht 
minder, wenn er Recht hat, den Götzen niederreissen und zerstören." Awzolcfs Lectures
        

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