Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008852
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Geschichte 
des Engl. 
Geistes 
äusserte, der Drachen mit Flügeln und der Armeen, die durch die 
Luft flogen, der dachte, dass Astrologie ein Betrug und Nekro- 
mantik leerer Schaum sein möchte, und der selbst so weit ging 
daran zu zweifeln, ob es wohl recht sei, alle Hexen zu ersäufen 
und alle Ketzer zu verbrennen. Einig-e Wenige solche Männer gab 
es ohne Zweifel; aber sie Wurden als blosse Theoretiker, als müssige 
Phantasten verachtet, die, mit dem praktischen Leben unbekannt, 
anmaassender Weise ihre eigene Vernunft der Weisheit ihrer Vor- 
fahren entgegensetzten. Bei dem Zustande der Gesellschaft, in der 
sie geboren waren, konnten sie unmöglich einen dauernden Ein- 
druck machen. Ja, sie hatten genug damit zu thun, für sich und 
ihre eigene Sicherheit zu sorgen; denn bis zum Ausgange des 
16. Jahrhunderts war noch kein Jahrhundert dagewesen, in dem 
Einer nicht in der grössten Gefahr für seine Person gesehwebt 
hätte, wenn er seine Zweifel über den Glauben seiner Zeitgenossen 
offen aussprach. 
Und doch leuchtet es ein, dass der Fortschritt unmöglich war, 
ehe der Zweifel begonnen. Denn wie wir deutlich eingesehen haben, 
der Fortschritt der Civilisation hängt einzig und allein von den 
Erwerbungen des menschlichen Verstandes ab und von der Aus- 
dehnung, in welcher diese Erwerbungen verbreitet sind. Aber Men- 
schen, die mit ihrem Wissen vollkommen zufrieden sind, werden 
es nie unternehmen, es zu vermehren. Menschen, die vollkommen 
von der Richtigkeit ihrer Meinungen überzeugt sinß, werden sich 
nie die Mühe geben, die Grundlage zu untersuchen, auf der sie 
beruhen. Sie sehen immer mit Verwunderung und oft mit Ent- 
setzen auf Ansichten, die von denen, welche sie von ihren Vätern 
ererbt, verschieden sind; und während sie in dieser Gemüthsver- 
fassung sind, können sie unmöglich irgend eine neue Wahrheit 
annehmen, die ihre Vorurtheile antastet. 
Obgleich also die Erwerbung neuen Wissens der nothwendige 
Vorläufer jedes socialen Fortschritts ist, so muss doch einem solchen 
Erwerbe selbst eine Liebe zur Forschung vorangehen, d. h. ein 
Geist des Zweifels, denn ohne Zweifel wird es keine Forschung, 
ohne Forschung keine Wissenschaft geben. Denn das Wissen ist 
nicht etwas müssiges und passives, das über uns kommt, wir 
mögen wollen oder nicht; es muss gesucht werden, ehe es gewonnen 
werden kann; es ist das Ergebniss grosser Arbeit und daher eines 
grossen Opfers. Und es ist widersinnig, dass Menschen sich der 
Arbeit unterziehen und das Opfer bringen sollten für Gegenstände,
        

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