Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008838
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Ursprung 
etc. 
Zustand 
der Geschichte und 
fiel ihm ein, man könne das Verfahren nachahmen, das in einer 
ähnlichen Verlegenheit Noah mit so ausgezeichnetem Erfolg ange- 
wendet hatte. Kaum war die Idee gefasst, so wurde sie auch aus- 
geführt. Die Einwohner von Toulouse leisteten Beistand und es 
wurde eine Arche gebaut in der Hoffnung, dass wenigstens ein 
Theil der menschlichen Gattung erhalten werden möge, um ihr 
Geschlecht fortzupiflanzen und die Erde wieder zu bevölkern, nach- 
dem die Wasser sich verlaufen und die Erde wieder trocken ge- 
worden wäreß") 
Ungefähr 70 Jahre nachdem dieser Schrecken vorüber War, 
ereignete sich etwas Anderes, was eine Zeit lang die berühmtesten 
Männer in Europa in einem seiner Hauptländer beschäftigte. Am 
Ende des 16. Jahrhunderts wurde eine furchtbare Aufregung durch 
die Nachricht hervorgebracht, dass ein Kind in Schlesien mit 
einem goldenen Zahn in der Kinnlade geboren worden sei. Als 
man das Gerücht untersuchte, zeigte sich, dass es nur zu wahr 
gewesen. Es war unmöglich, dem Publikum die Sache zu ver- 
bergen, das Wunder wurde bald in ganz Deutschland bekannt, 
man hielt es für eine geheimnissvolle Vorbedeutung und Alles war 
in Angst, was diese neue Erscheinung zu bedeuten haben möge. 
Die Wahrheit wurde zuerst von Dr. Horst an den Tag gebracht. 
1595 machte dieser ausgezeichnete Arzt das Resultat seiner Unter- 
suchungen bekannt; da zeigte sich denn, dass bei der Geburt des 
Kindes die Sonne in Verbindung mit Saturn im Zeichen des Wid- 
ders gestanden. Das Ereigniss war also, wenn auch übernatür- 
lich, doch keineswegs beunruhigend. Der goldene Zahn war der 
Vorläufer des goldenen Zeitalters, in welchem der Kaiser die Türken 
aus der Christenheit verjagen und den Grund zu einem Reiche 
legen würde, das tausend Jahre dauern sollte. Und hierauf, sagt 
Horst, wird ganz deutlich bei Daniel angespielt, in seinem wohl- 
bekannten zweiten Kapitel, wo der Prophet von einem Bilde mit 
einem goldenen Kopfe sprichtl H) 
195) Bayle giebt einen Bericht davon; ausserdem kann der Leser vergleichen: 
Bäogr. mziv. III, 88; XXXI, 283, XLIII, 577, 578; ßjarcngel, Histoire de la mäclecinc 
III, 251; Delambre, Hist. de Fastronovnie du Moyen agc, Paris 1819, 376; Jlfontuvla, 
Iüsi. des matbänaatiques I, 622; Diät. ßILÜOSOpk. Amt. Astrologie in Oeuvres de Voltaire 
XXXVII 148, 149. 
WÜ Diese Geschichte von dem goldenen Zahn findet sich zum Theil bei De Thou. 
Siehe seine Hist. unw. XI, 634-635; und über die Streitfragen, die dadurch ent- 
standen, vergleiche Hietoire des Oravles, chap. IV in Oeulvres de Fanlenelle 1I, 219, 
220, Paris 1766 ; Sprengel, Histoire de la mädecine III, 247-249 ; Biogr. zeniw. XX, 579.
        

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