Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008818
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Ursprung 
der 
Geschichte 
d Zustand 
derts in der That wenig geleistet wurde. Dann aber legte sich, 
wie wir in den beiden nächsten Kapiteln sehen werden, in Eng- 
land und Frankreich der theologische Eifer und der Weg für jene 
rein weltliche Philosophie war geebnet, deren Ausleger, aber keines- 
wegs deren Schöpfer Bacon und Descartes waren! Y  Diese Epoche 
gehört dem 17. Jahrhundert an und von ihr können Wir die in- 
tellectuelle Wiedergeburt Europa's datiren; gerade so wie wir vom 
18. Jahrhundert seine sooiale Wiedergeburt datiren können. Aber 
während des grössten Theils des 16. Jahrhunderts war die Leicht- 
gläubigkeit noch allgemein, denn sie war nicht bloss bei den niedrig- 
sten und unwissendsten Klassen zu Hause, sondern auch bei denen, 
welche die beste Erziehung genossen hatten. Dazu liessen sich 
unzählige Belege geben; der Kürze wegen will ich mich auf zwei 
beschränken, die besonders auffallend sind durch die Umstände, 
die sie begleiteten und durch ihren Einfluss auf Menschen, denen 
man hätte zutrauen sollen, dass sie solchen Selbsttäuschungen wenig 
unterworfen wären. 
Am Ende des 15. und im Anfange des 16. Jahrhunderts war 
Stöffler der berühmte Astronom, Professor der Mathematik zu Tü- 
bingen. Dieser bedeutende Mann leistete der Astronomie grosse 
Dienste und war einer der ersten, die andeuteten, wie die Irr- 
thümer des Julianischen Kalenders, nach dem man die Zeit damals 
rechnete, zu verbessern wärenJ") Aber weder sein Talent noch 
seine Kenntnisse schützten ihn gegen den Geist der Zeit. 1524 ver- 
öffentlichte er das Ergebniss abstruser Berechnungen, mit welchen 
er sich lange beschäftigt und wodurch er die merkwürdige That- 
m) Siehe Guizofs Oivilisation en Europa 166. Die beste Stelle in jenem geistvollen, 
aber leider nicht immer gleich gehaltenen Werk: "Pdroourez l'histoire du V. au 
XVI. siecle; c'est_ ld tlaäoluyie qm" possede et dirige Fesprit hunmin; toutes les opimlom 
samt enzpreintes de thäologie; las guestions philosophiques, politiques, kistoriques, sont 
ioujaurs cnnsidefrees sons vm point de vue theblogiquc. Eäglise es! telleancnt souvera-ine 
Jims l'ordre intelleotuel, que möme les seiences mdthäßnatiques et pkysiqzees sont lenues 
de sc somneltre ä ses doctrincs. Läsprit tkealoyique est en quelque sorte le szmg qm" 
a ooulä drms les veines du monde eurapäen Jkasqzßä Basen e! Descartes. Pour la 117-9- 
müre fois, Bacon en Angleterre et Descartes m Fmnce, an! jete' Pimelligjence hors 
des wies de la thäologie." Eine edel gedachte und sehr wahre Stelle; aber welchen 
Eindruck würden Baco und Descartes gemacht haben, wenn sie im 7. und nicht im 
16. Jahrhundert gelebt hätten; würde ihre Philosophie ehe]; so weltlich, oder wenn 
eben so weltlich, eben so einflussreich gewesen sein? 
m) Vergl. Biog. univ. XLIII, 577 mit Mantucla, Histoire de mailwmatigue I, 678.
        

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