Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008634
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Geschichte und Zustand 
der 
Ursprung 
allgemeine Leichtgläubigkeit und Gedankenlosigkeit die Menschen 
von aller Untersuchung entwöhnte, sie hinderte die Begebenheiten 
der Vergangenheit mit Erfolg zu studiren und selbst was um sie 
her vorging genau zu berichten") 
Nach dem Bisherigen finden wir also drei Hauptursachen der 
Verderbniss der Geschichte im Mittelalter. Zuerst die plötzliche 
Einführung der Schreibekunst und die daraus folgende Vermischung 
verschiedener Lokalsagen, welche für sich genommen richtig, aber 
vereinigt falsch waren. Zweitens die Religionsveränderung, die 
nicht nur die Ueberlieferungen unterbrach, sondern auch durch 
falsche Einschiebsel trübte. Und drittens  wohl die mächtigste 
Ursache des Verderbens  die Monopolisirung der Geschichte durch 
eine Menschenklasse, deren Sitte und Geschäft sie leichtgläubig 
machte und die ausserdem noch ein unmittelbares Interesse daran 
hatte, die allgemeine Leichtgläubigkeit zu vermehren, denn auf 
diesem Grunde ruhte ihr eigenes Ansehen. 
Durch diese drei Dinge wurde die Geschichte Europafs in 
einem Grade verdorben, der in keinem andern Zeitabschnitt seines 
Gleichen hat. Dass es eigentlich keine Geschichte gab, war das 
Wenigste; unglücklicher Weise begnügten sich die Menschen nicht 
mit dem Verschwinden des Wahren, sie ersetzten es auch durch 
Erfindung von Unwahrheiten. Unter unzähligen andern ist eine 
Art von Erfindung bemerkenswerth, weil sie jene Liebe zum Alter- 
thum zeigt, welche ein entschiedener Charakterzug der Klassen ist, 
die damals Geschichte schrieben. Ich meine die Dichtungen über 
den Ursprung der verschiedenen Völker, in denen sich überall der 
Geist des Mittelalters deutlich zeigte. Jahrhunderte lang glaubte 
jedes Volk, dass es in gerader Linie von Vorfahren abstamme, 
die mit bei der Belagerung von Troja gewesen. Diese Thatsache 
zu bezweifeln fiel Niemand einig) Die einzige Frage war, welches 
57) Selbst die Beschreibungen von Naturgegenständen, welche die Historiker im 
Mittelalter zu geben versuchten, zeichneten sich durch dieselbe Nachlässigkeit aus. 
Arnold (Lecturee an modern laist. 102, 103) giebt einige gute Bemerkungen über Bede's 
Bericht von dem Solent. 
58) In Lo Lo-nfs Bibliothöque kiatorique de la Fmnoe II, 3 heisst es, die A'b- 
kunft der Französischen Könige von den Trojanern sei vor dem 16. Jahrhundert all- 
gemein geglaubt worden. Polydore Vergil, der Mitte des 16. Jahrhunderts starb, griff 
diese Ansicht in Bezug auf England an und machte sich dadurch unpopulär. S. Ellis, 
Prefm to Polydore Vergil, S. XX, 1844, herausgegeben von der Uwmbden aoc. Im 
Jahr 1128 erkundigte sich Heinrich I. von England bei einem Gelehrten nach der
        

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