Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008532
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Ursprung der 
Geschichte 
Zustand 
und 
Dies ist die älteste und einfachste Stufe von allen, die die Ge- 
schichte zu durchlaufen hat; aber im Lauf der Zeit schreitet die 
Gesellschaft, wenn sie nicht durch ungünstige Llmstände verhindert 
wird, fort und eine Neuerung von der grössten Wichtigkeit, die 
eintritt, ist die Kunst zu schreiben, Welche nach wenig Generationen 
eine vollständige Umwälzung in dem Charakter und in den Ueber- 
lieferungen des Volks hervorbringen muss. Wie dies zugeht, dies 
ist, so viel ich weiss, niemals gesagt worden und es wird desshalb 
interessant sein, den Versuch zu machen, einige Zuge davon auf- 
zufinden. Die erste und nächste Betrachtung ist, dass die Ein- 
führung der Schreibekunst dem nationalen Wissen eine Dauer ver- 
leiht und dadurch den Nutzen der mündlichen Nachricht, in welchem 
alle Wissenschaft eines Volks ohne Schrift bestehen muss, vermin- 
dert. So vermindert sich, wie ein Volk fortschreitet, der Einiiuss 
der Ueberlieferung und die Ueberlieferungen selbst werden weniger 
zuverlässigßß) Ausserdem verlieren die Bewahrer der Ueberlie- 
ferung auf dieser Stufe der Gesellschaft viel von ihrem früheren 
Ruf. Unter einem Volk, ganz ohne Schrift, sind die Balladensänger, 
wie wir schon gesehen haben, die einzigen Bewahrer der histori- 
schen Thatsachen, von denen der Ruhm und oft das Eigenthum 
ihrer Fürsten hauptsächlich abhängt. Aber wenn eine solche Nation 
mit der Schreibekunst bekannt wird, will sie diese Gegenstände 
dem Gedächtniss reisender Sänger nicht mehr anvertrauen und be- 
nutzt die neue Kunst, um sie in einer festen äusserlichen Form 
aufzubewahren. Sobald dies geschieht, vermindert sich die Wichtig- 
keit derer, welche die Volkssagen wiederholen, bedeutend; sie 
sinken bald zu einer geringeren Klasse herab, die ihren alten Ruf 
verloren und nun nicht mehr aus jenen ausgezeichneten Männern 
besteht, deren Talenten sie früher ihren Ruf verdankteßo) S0 
sehen wir, dass obgleich ohne Buchstaben keine recht bedeutende 
Wissenschaft entstehen kann, es dennoch wahr ist, dass ihre 
 
Worten so viele Generationen hindurch wiederholen, dass am Ende den Meisten von 
denen, die sie hersagen, sogar die Worte unverständlich werden. Mariner, Account 
qf ilw Tonga Islomds I, 156, II, 217 und Oatlirüs North Americzm Indians I, 126. 
49) Dass die Erfindung der Buchstaben zuerst das Gedächtniss schwächen würde, 
wird in Platrfs Phädrus eap. 135 bemerkt, wo die Behauptung jedoch fast zu weit 
getrieben wird. 
90) Diese unvermeidliche Abnahme des Genies der Barden wird angedeutet, jedoch 
wie mir scheint unter einem falschen Gesichtspunkt, in Mure, Literature of Greece 
II, 230.
        

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