Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008527
der 
Mittelalter. 
histor. Literatur im 
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von Familien zu entscheiden, ja sogar um die Grenzen von Land- 
gütern, wie sie eine so rohe Gesellschaft besitzen kann, festzu- 
stellen. So finden wir, dass die, welche ein Geschäft aus dem 
Hersagen und Dichten dieser Gesänge machten, die anerkannten 
Richter in Streitsachen Waren; und da sie oft Priester waren und 
göttliche Eingebungen haben sollten, so ist Wahrscheinlich auf diese 
Weise zuerst der Glaube an den göttlichen Ursprung der Poesie 
entstanden! ü) Diese Balladen sind natürlich nach den Sitten und 
dem Charakter der verschiedenen Nationen und nach dem Klima, 
in dem sie leben, verschieden. Im Süden nehmen sie eine leiden- 
schaftliche und Wollüstige Form an, im. Norden eher einen tragi- 
schen und kriegerischen Charakter; 4 1) aber bei diesen Verschieden- 
heiten haben alle diese Erzeugnisse einen gemeinschaftlichen Zug: 
sie gründen sich nicht bloss auf WVahrheit, sondern sind auch bis 
auf die poetische Färbung alle vollkommen wahr. Leute, die fort- 
dauernd Gesänge wiederholen und sich auf die autorisirten Sänger 
derselben als entscheidende Obmänner bei Streitigkeiten berufen, 
werden sich nicht leicht über Gegenstände irren, an deren Genauig- 
keit sie ein so lebhaftes Interesse haben. w) 
'16) Die Inspiration der Poesie wird manchmal aus ihrer Unwillkürlichkeit erklärt, 
Cousin, Hist. de la plzilos. II. serie I, 135, 136, und ohne Zweifel ist eine der Ur- 
sachen der Ehrfurcht gegen grosse Dichter, dass sie genöthigt zu sein scheinen, ihre 
Gedanken ohne Rücksicht auf ihre Wünsche auszuströmen. Dennoch glaube ich wird 
sich finden, dass die Ansieht von der Poesie als einer göttlichen Kunst besonders in 
dem Zustande der Gesellschaft im Schwunge ist, wo die Wissenschaft ein Monopol der 
Barden ist und wo diese Barden zugleich Priester und Historiker sind. Ueber diese 
Verbindung der versch. Berufe vergl. eine Anmerk. in Mßlßüllllii? Hist. of Persien -I, 90 
mit Mure, Hist. of tlie Zit. qf Greece I, 148, II, 228 und das gelehrte Werk Eccle- 
siaslical archiiecture of Ireland von Petrie 354. Ueber die grosse Ehrerbietung gegen 
die Barden siehe Mallei, Northem zmtiquities 234-236; Wlzeaton; Hist. of tlee North- 
mm 50, 51; Wright, Biogr. Brit. literature I, 3; Warten, Hdst. of Ezglish peeiry 
I, 26, 40; Grotc, Hist. of Greece II, 182, erste Ausgabe. Ueber ihre wichtigen Amts- 
pdichten siehe die Gesetze von Mölmund; Villenzarquzf, Ckants popul. de la Bremgne I, 
5 und 6; Nairlwall, Hist. of Greece l, 229 und Oriyine du droit in Oezwres de 
Miclzelet 11, 372. 
47) Villimzarquf, Clzaazts populaires I, 55. 
'18) Ueber die Genauigkeit der alten Balladen, die unter andern Walther Scott 
voreilig angegriffen hat, siehe Trillemarqui, Ohmzts populaires I, 25-31 und Slhlm", 
Slwuic naiimzs 150. Ueber die Hartnäckigkeit mündlicher Ueberlieferung siehe A38- 
bukfs Hist. of Romc 1847 I, 230 und Laing, Denanm-k 197, 198, 350; Wßeatoae, 
Hisiory of tke Northmen 38, 39, 57-59. Ein merkwürdiger Beweis dafür ist auch 
dies, dass verschiedene lmrbarische Völker die alten Ueberliefcrungen mit den alten
        

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