Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008492
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Ursprung 
der 
Geschichte 
und Zustand 
und aus ihnen auf die Periode des Europäischen Geistes zu 
schliessen, von der wir unmittelbar keine Nachricht haben. Solche 
Schlüsse sind natürlich speculativer Art, aber in dem letzten Jahr- 
tausend tinden wir uns ganz unabhängig von ihnen, da jedes grosse 
Volk seit dem 9. Jahrhundert seine eigenen Chronikenschreiber 
hat, Frankreich sogar in ununterbrochener Folge seit dem 6. Jahr- 
hundert. Im vorliegenden Capitel will ich an Beispielen zeigen, 
wie bis zum 16. Jahrhundert die Geschichte von den grössten Euro- 
päischen Autoritäten geschrieben zu werden pllegte. Ihre weitere 
Verbesserung während des 17. und 18. Jahrhunderts wird bei Ge- 
legenheit der Länder, wo der Fortschritt gemacht wurde, besonders 
erwähnt werden; und da die Geschichte vor dieser Verbesserung 
wenig mehr als ein Gewebe der gröbsten Irrthümer war, so will 
ich zuerst die Hauptursachen ihrer allgemeinen Verderbniss in Be- 
tracht ziehen und andeuten, wodurch sie so entstellt wurde, dass 
mehrere Jahrhunderte hindurch Europa nicht einen einzigen Mann 
besass, der die Vergangenheit kritisch studirt hatte, oder der im 
Stande war, die Begebenheiten seiner eigenen Zeit mit leidlicher 
Genauigkeit zu berichten. 
In sehr frühen Culturperioden und ehe ein Volk mit dem Ge- 
brauch der Buchstaben bekannt ist, fühlt es das Bedürfniss nach 
etwas, womit es im Frieden seine Musse erheitern und im Kriege 
seinen Muth anspornen könne. Dies Bedürfniss wird durch die 
Erfindung von Balladen befriedigt. Sie bilden die Grundlage aller 
historischen Kenntniss und in einer oder der andern Form finden 
sie sich selbst bei manchen der rohesten Volksstamme. Sie werden 
gewöhnlich von einer Menschenklasse gesungen, die eigends das 
Geschäft hat, auf diese Weise den Vorrath von Ueberlieferungen 
zu erhalten. Die Wissbegierde nach vergangenen Begebenheiten 
ist in der That so natürlich, dass es wenig Völker giebt, denen 
diese Barden oder Sänger unbekannt sind. So, um nur einige 
Beispiele auszuwählen, sind sie es, die die Volkssagen nicht 
bloss in Europa, l) sondern auch in China, Thibet und der Tar- 
4) Ueber die alten Gallischen Barden siehe Bmediotine, Hist. litt. de la Fmnae 1, 
Theil I, 25-28; die Schottischen in Burrgfs Hist. qf the Orkney Islands 89; über 
ein neueres Beispiel auf der Insel C01 bei Mull siehe Otteris Lzfe of Olarke I, 307; 
über die Irischen Barden im 17. Jahrhundert s. Slmron Zwrnefs Hist. of England 
III, 571; Spencefs Nachricht von ihnen im 16. Jahrhundert (SomeWs Tracts I, 590, 
591) zeigt, dass der Stand zu der Zeit in Verachtung kam; im 17. Jahrhundert wird
        

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