Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1006074
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luellen bei 
Hülfs: 
der Geschichtsforschung. 
der neuer Philosophieen und neuer Religionen, die oft einen mäch- 
tigen Einfluss auf die Völker, bei denen sie Eingang finden, aus- 
üben. Aber die Urheber dieser Systeme sind selbst dem Einfluss 
ihres Zeitalters unterworfen. Niemand vermag sich dem Eindruck 
der Anschauungen, die ihn umgeben, zu entziehn; und was man 
eine neue Philosophie oder eine neue Religion nennt, ist gemeinig- 
lieh nicht sowohl eine Schöpfung neuer Ideen, als vielmehr eine 
neue Richtung, die man Ideen giebt, welche unter den Denkern 
der Gegenwart in Umlauf sind?) 
In unserm Falle entspricht die Lehre vom Zufall in der Aus- 
senwelt der vom freien Willen in uns, während die Lehre von 
der nothwendigen Verkettung eben so der von der Vor- 
herbestimmung entspricht; der einzige Unterschied ist, dass die 
erstere einer Entwicklung des Metaphysikers, die zweite einer des 
Theologen angehört. Im ersten Falle nimmt der llrletaphysiker sei- 
nen Ausgang von der Lehre des Zufalls, überträgt dies Princip 
der Willkür und Unverantwortlichkeit auf das Studium des mensch- 
lichen Geistes, und auf diesem neuen Felde wird es der freie 
Wille; ein Ausdruck, wodurch alle Schwierigkeiten beseitigt zu 
sein scheinen, da vollkommene Freiheit, selbst die Ursache aller 
Handlungen, von keiner bewirkt wird, sondern wie der Zufall ein 
ursprüngliches Factum ist, das keine weitere Erklärung zulässt. ü) 
Im zweiten Falle nimmt der Theologe die Lehre von der noth- 
wendigen Verkettung auf und giesst sie in eine theologische 
Form um; da sein Geist schon voll von den Vorstellungen der 
Ordnung und Gleichmässigkeit ist, so schreibt er natürlich eine 
solche unwandelbare Regelmäsigkeit der Vorsehung des Allmäch- 
tigen zu; und so wird zu der grossen Anschauung des Einen Got- 
 
5) Beausobre, Histoire critigue de Maniehee vol. I. p. 179, macht hierüber einige 
gute Bemerkungen. Die grosse religiöse Ketzerei, sagt er, gründe sich auf frühere 
Philosophieen. Kein Mensch, der mit der Entwicklung des Glaubens der Menschen 
bekannt ist, wird der StahPschen kategorischen Versicherung beistimmen, "dass die 
Philosophie eines Volks in seiner Theologie wurzle." Klivnrath, Traraux lI. p. 454, 
Paris, 1843. 
6) "Also ist ein Wille, dem die blosse gesetzgebende Form der Maxime allein zum 
Gesetze dienen kann, ein freier Wille", Kritik der praktiselzen Vernunft, Kaufs 
Werke, B. IV. S. 128. "Hat selber fir sich eigentlich keinen Bestimmungsgruud", 
Metaphysik der Sitten B, V_ S. 12. „Die unbedingte Cßusalität der Ursache", Kritik 
der reinen Vemunft, Kaufs Werke B. II, S. 339. Siehe auch Prolegomena zu jeder 
künftigen Metaphysik im B. III, 268.
        

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