Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008325
Staatsreäerung. 
Literatur und 
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Die andere Ansicht, die ich erwähnt, ist, dass wir die Civili- 
sation Europas vornehmlich der Geschicklichkeit verdanken, welche 
die verschiedenen Regierungen entfaltet, und ihrer Scharfsichtigkeit, 
den Uebeln der Gesellschaft durch Maassregeln der Gesetzgebung 
vorzubeugen. Jedem, der die Geschichte aus ihren ersten Quellen 
studirt hat, muss diese Ansicht so abenteuerlich erscheinen, dass 
es ihm schwer fallen wird, sie mit ernsthafter Miene geziemend zu 
widerlegen. Von allen Gedanken über das Schicksal der mensch- 
lichen Gesellschaft ist wirklich keiner so gänzlich unhaltbar und so 
in jeder Hinsicht verkehrt als dieser. Zuerst leuchtet es ein, dass 
die Regierer eines Landes unter gewöhnlichen Umständen immer 
die Einwohner dieses Landes waren, genährt durch seine Literatur, 
in seinen Ueberlieferungen erzogen und unter dem Einfluss seiner 
Vorurtheile lebend. Solche Männer sind im besten Fall nur die 
Geschöpfe, nie die Schöpfer ihrer Zeit. Ihre Maassregeln sind die 
Wirkungen des socialen Fortschritts, nicht seine Ursachen._ Dies 
lässt sich nicht nur aus speculativen Gründen, sondern auch durch 
eine praktische Betrachtung beweisen, die jeder Leser der Geschichte 
selbst anstellen mag. Keine grosse politische Bewegung, keine 
grosse Reform, weder in der Gesetzgebung, noch in der Ausübung 
ist je in irgend einem Lande ursprünglich von seiner Regierung 
ausgegangen. Die ersten, die solche Schritte vorgeschlagen, sind 
ohne Ausnahme" kühne und geistreiche Denker gewesen, die den 
Missbrauch erkannten, aufdeckten und das Mittel dagegen angaben. 
Aber lange, nachdem dies gethan ist, fahren selbst die aufgeklär- 
testen Regierungen fort, den Missbrauch aufrecht zu erhalten und 
das Mittel dagegen zu verwerfen. Endlich, wenn die Umstände 
günstig sind, wird der Druck von Aussen so stark, dass die Regie- 
rung nachgeben muss; und wenn die Reform gemacht ist, so wird 
von dem Volk erwartet, dass es die Weisheit seiner Regierung 
bewundern soll, die dies Alles gethan. Dass dies der Verlauf poli- 
tischer Verbesserungen ist, muss jedem bekannt sein, der die Gesetz- 
bücher verschiedener Lander in Verbindung mit dem vorhergegan- 
genen Fortschritt ihres Wissens studirt hat. Ausreichende und 
entscheidende Beweise davon werden in diesem Werke beigebracht 
werden; beispielsweise jedoch will ich die Abschaffung der Korn- 
gesetze, ohne Zweifel eine der merkwürdigsten Thatsachen der 
Geschichte Englands in unserm Jahrhundert, anführen. Die Zweck- 
massigkeit, ja Nothwendigkeit ihrer Abschaffung wird jetzt von 
jedem einigermaassen Ilnterrichteten zugestanden; und es entsteht
        

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