Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008318
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Einfluss 
der 
Religion, 
werke des Alterthums gerne bei Seite legten und statt ihrer jenes 
erbärmliche Geschreibsel vornahmen, welches ihren Geschmack ver- 
darb, ihre Leichtgläubigkeit erhöhte, sie in ihren Irrthümern be- 
stärkte und die Unwissenheit Europas verlängerte, indem es jeden 
besondern Aberglauben in zugänglicher Form niederlegte, auf diese 
Weise seinen Einfluss dauernder machte und ihn sogar befähigte, 
selbst in der fernen Nachwelt den Verstand zu schwachen. 
S0 ist für ein Volk der Besitz einer Literatur ungleich un- 
wichtiger, als die Geistesverfassung, womit es sie liest. In 
den dunkeln Jahrhunderten, die mit Recht diesen Namen führen, 
gab es eine Literatur mit werthvollem Inhalt; aber Niemand wusste 
ihn zu benutzen, Eine lange _Zeit war die Lateinische Sprache ein- 
heimisch, 39) und wenn die Leute gewollt hätten, so hätten sie die 
Lateinischen Classiker studiren können. Aber dazu hätten sie in 
einer ganz andern Gesellschaft als in der ihrigen leben müssen. 
Wie jeder andere schätzten sie das Verdienst nach dem Maassstabe 
ihres Jahrhunderts; und darnach waren die Schlacken besser als 
das Gold. Darum warfen sie das Gold bei Seite und sammelten 
die Schlacken. Was damals stattfand, geschieht in geringerem 
Maasse noch jetzt. Jede Literatur enthält etwas Wahres und viel 
Falsches, und ihre Wirkung wird vornehmlich von dem Verstande 
abhängen, womit das Wahre von dem Falschen gesondert wird. 
Neue Gedanken und neue Entdeckungen besitzen voraussichtlich 
eine Wichtigkeit, die man nicht leicht überschätzen kann; aber bis 
diese Gedanken Eingang gefunden, diese Entdeckungen anerkannt 
werden sind, üben sie keinen Einfluss aus und wirken daher nichts 
Gutes. Keine Literatur kann einem Volke nützen, wenn sie das- 
selbe nicht schon vorbereitet findet. In dieser Hinsicht ist das Ver- 
haltniss vollkommen dasselbe wie das der Religion. Sind Religion 
und Literatur den Bedürfnissen eines Landes nicht gemäss, so wer- 
den sie sich unfruchtbar zeigen, denn die Literatur wird vernach- 
lässigt werden, die Religion ohne Macht bleiben. In solchen Fällen 
werden auch die besten Bücher nicht gelesen und die reinsten Lehren 
verachtet. Die" Werke des Geistes werden vergessen, der Glaube 
verderbt. 
39) Herder (Ideen zur Geschickte der Mensokk. IV. 202, 203) hat einige Folgen 
davon, dass die Mönche Lateinisch sprachen, geseheidt hervorgehoben. Dugald Sie-- 
man's Bemerkungen darüber in seiner Pkilos. of the mind III, 110, 111 gehen auf 
eine spätere Periode.
        

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