Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008289
Literatur 
und 
Staatsregierung. 
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ein esoterisches System bildet, welches keinen Eindruck auf die 
Civilisation des Volkes hervorbringt, weil es mit dem Volke selbst 
nichts gemein hat. Die Wahrheit ist, dass wenn Europa auch 
grossen Nutzen von seiner Literatur gehabt hat, so verdankt es 
diesen nicht dem, was die Literatur erzeugt, sondern dem, was 
sie erhalten hat. Kenntniss muss erworben werden, ehe sie nieder- 
geschrieben werden kann; und der einzige Nutzen der Bücher ist, 
dass sie zu Speichern dienen, worin die Schätze des Geistes sicher 
aufbewahrt und bequem gefunden werden können. An sich selbst 
ist die Literatur nur etwas Gcringfügiges und nur werthvoll als die 
Waffenkammer, wo die Waffen des menschlichen Geistes nieder- 
gelegt werden und woraus sie, wenn man sie braucht, schnell ent- 
nommen werden können. Aber der würde einen unglücklichen 
Gedanken haben, der desswegen vorschlagen wollte, den Zweck auf- 
zuopfern, damit er die Mittel erhalte, der sich der Hoffnung hin- 
gähe, die Waffenkammer dadurch zu vertheidigen, dass er die Waffen 
aufgäbe und der den Schatz zerstörte, um das Magazin zu ver- 
bessern, worin er aufbewahrt ist. 
Und doch möchten Viele dies thun; gerade von Literatoren 
hören wir zu viel über die Nothwendigkeit, die Literatur zu schützen 
und zu belohnen, und zu wenig über die Nothwendigkeit, über die 
Freiheit und Kühnheit, in deren Ermangelung die glänzendste Literatur 
völlig werthlos ist. Es herrscht in der That ein allgemeiner Zug, 
nicht die Vorzüge des Wissens zu überschätzen  denn das ist 
unmöglich,  sondern zum Missverstandniss dessen, worin das 
Wissen eigentlich besteht. Wirkliches Wissen, dasjenige worauf 
die Oivilisation gegründet ist, besteht einzig und allein in der Be- 
kanntschaft mit dem Verhaltniss der Dinge und Ideen zu einander 
und unter sich; mit andern Worten in einer Kenntniss der physi- 
schen und geistigen Gesetze. Sollte die Zeit jemals kommen, wo 
alle diese Gesetze bekannt sein werden, so wird der Kreis mensch- 
liehen Wissens geschlossen sein; unterdessen hängt der Werth der 
Literatur davon ab, in welchem Maasse sie entweder die Kenntniss 
dieser Gesetze oder die Mittel, wodurch sie entdeckt werden können, 
mittheilt. Das Geschäft der Erziehung ist, diese grosse Bewegung 
zu beschleunigen und die Brauchbarkeit und Geschicklichkeit der 
Menschen zu erhöhen dadurch, dass die Hülfsmittel vermehrt wer- 
den, die sie besitzen. Sofern die Literatur diesem Zwecke dient, 
ist sie äusserst nützlich. Aber die Bekanntschaft mit der Literatur 
als einen Gegenstand der Erziehung anzusehn, heisst die Ordnung
        

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