Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008263
Literatur 
und 
Staatsregierung. 
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einem zurückgebliebenen Volke eingeführt wird, so laewährt sie ihre 
Ueberlegenheit nicht mehr. Die Schotten und die Schweden  
und ihnen kann man einige Schweizercantone beizählen  sind 
weniger civilisirt als die Franzosen und desswegen abergläubischer. 
Darum hilft cs ihnen wenig, dass sie eine bessere Religion haben 
als die Franzosen. Es nützt ihnen wenig, dass sie aus Gründen, 
die längst nicht mehr existiren, vor 300 Jahren eine Religion ange- 
nommen haben, bei der sie jetzt durch Gewohnheit und Ueberlie- 
ferung bleiben müssen. Wer in Schottland gereist ist und die Ideen 
und Meinungen des. Volkes aufmerksam beobachtet hat und wer 
sich die Mühe nehmen will, in die Schottische Theologie zu blicken 
und die Geschichte der Schottischen Kirche, die Verhandlungen der 
Schottischen Versammlungen und Consistorien zu lesen, wird sich 
überzeugen, wie wenig Nutzen diesem Lande seine Religion ge- 
bracht hat und wie weit die Kluft zwischen seinem unduldsamen 
Geist und der natürlichen Richtung der protestantischen Reformation 
ist. Wer dagegen Frankreich einer ähnlichen Untersuchung unter- 
werfen will, wird eine illiberale Religion von liberalen Ansichten 
begleitet finden, undvdas Bekenntniss einer Religion, die voll von 
Aberglauben ist, bei einem Volke, unter welchem der Aberglaube 
verhaltnissmässig selten ist. 
Die Franzosen haben eine Religion, die für sie zu schlecht, 
und die Schotten haben eine, die für sie zu gut ist. Die Freisinnig- 
keit der Franzosen passt eben so schlecht zum Katholicismus 
als der blinde Glaube Schottlands zum Protestantismus. In diesen 
und allen ähnlichen Fällen wird der Charakter der Religion von 
dem Charakter des Volks überwältigt, und die Nationalreligion bleibt 
in den wichtigsten Puncten ganz ohne Wirkung, weil sie mit der 
Civilisation des Landes nicht harmonirt. Wie überflüssig ist es 
also, die Civilisation der Religion zuzuschreiben, und wieviel mehr 
als thöricht sind die Versuche der Regierungen, eine Religion in 
Schutz zu nehmen! Passt sie für das Volk, so wird sie keinen 
Schutz brauchen; passt sie nicht dafür, so wird sie nichts Gutes 
wirken. 
Wenn der Leser in den Geist obiger Bemerkungen eingedrungen 
ist, wird er kaum verlangen, dass ich die zweite störende Macht, 
nämlich die Literatur, eben so genau erörtere. Es liegt auf der 
Hand, dass Alles, was wir bis jetzt von der Religion eines Volkes 
gesagt haben, zum grossen Theil auch auf die Literatur seine An-
        

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