Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008245
Literatur und 
Staatsregierung. 
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und ihr Leben an die Unternehmung zu wagen, die Staatsreligion 
o zu stürzen. Zugleich haben die Regierungen, die ebenfalls keine 
sonderlichen Freunde von Revolutionen sind, den Stillstand der 
religiösen Entwickelung begünstigt; und ganz natürlicher Weise, 
und wie es mir scheint sehr politisch haben sie keine grossen Ver- 
änderungen vorgenommen, sondern die nationalen Einrichtungen 
gelassen, wie sie sie vorfanden, also die protestantischen protestan- 
tisch und die katholischen katholisch. Desswegen ist im gegen- 
wärtigen Augenblick in keinem Lande die anerkannte National. 
religion ein entschiedenes Kriterium der jetzigen Oivilisation des 
Landes; denn die Umstände, welche diese Religion feststellten, fan- 
den vor langer Zeit statt, und die Staatsreligion bleibt ausgestattet 
und gegründet durch die blosse Fortsetzung eines Anstosses, der 
vormals gegeben worden. 
S0 viel über den Ursprung der kirchlichen Einrichtungen Euro- 
pa's. Aber in ihren praktischen Folgen sehen wir einige höchst 
lehrreiche Erscheinungen; denn da manche Länder ihre National- 
Religion nicht ihrer eigenen vorhergegangenen Geschichte, sondern 
der Autorität einzelner mächtiger Menschen verdanken, so wird man 
immer finden, dass in solchen Ländern die Religion nicht die Wirkung 
hervorbringt, die man von ihr hätte erwarten sollen und die sie 
ihrem Inhalte nach hätte hervorbringen müssen. So z. B. ist die 
katholische Religion aberglaubischer und intoleranter als die prote- 
stantische, aber daraus folgt keineswegs, dass alle katholischen 
Länder aberglaubischer sind als die protestantischen. So sind die 
Franzosen nicht nur eben so frei von diesen hassenswerthen Eigen- 
schaften als die civilisirtesten Protestanten, sondern sie sind freier 
davon als einige protestantische Völker, wie die Schotten und 
die Schweden. Ich spreche hier nicht von der hochgebildeten Classe, 
aber von der Geistlichkeit und dem Volk im Allgemeinen muss man 
zugestehen, dass es in Schottland mehr Bigotterie, mehr Aberglauben 
und eine gründlichere Verachtung für die Religion anderer Menschen 
giebt als in Frankreich. Und in Schweden,  einem der älteßtßn 
protestantischen Länder Europa's,") herrscht nicht gelegentlich, 
2?) Di_e Lehre Luther's wurde in Schweden zuerst im Jahre 1519 gepredigt und 
1527 wurden die Principien der Reformation auf dem Reichstage zu Westeräs förm- 
lich angenommen, und Gustav Wasa konnte das Eigenthum der Kirche mit Beschlag 
belegen. Geijer, Hislory nf lhe Suedes I, 110, 118, 119; Mosheiozz, Ecclesiastical 
IuTsIory II, 22; Criolzlan um! Whcaton, History nf Scawdivzavia I, 399, 400. Der Ab- 
15"
        

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