Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008236
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Religiüll, 
der 
Einfluss 
Schutz zu nehmen; sie verbanden sich mit der katholischen Geist- 
lichkeit, hemmten oft mit Gewalt die Ketzerei und hielten so die 
natürliche Entwickelung des Zeitalters auf. Diese Einmischung War 
fast in allen Fällen wohlgemeint und muss lediglich der Unwissen- 
heit der Herrscher über die richtigen Grenzen ihres Amtes zuge- 
schrieben werden, aber man kann die Uebel, welche durch diese 
Unwissenheit verursacht wurden, nicht zu hoch anschlagen. Fast 
150 Jahre lang litt Europa unter Religionskriegen, religiösen Metze- 
leien und religiösen Verfolgungen, und nichts von alledem würde 
stattgefunden haben, wäre die grosse Wahrheit anerkannt gewesen, 
dass der Staat sich nicht um den Glauben der Menschen zu küm- 
mern und dass er nicht das geringste Recht hat, sich in die Form 
der Gottesverehrung, welche sie annehmen, zu mischen. Dieser 
Grundsatz war aber früher unbekannt oder wurde wenigstens nicht 
beachtet, und erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts kamen die 
grossen Religionskriege zum Abschluss, und die Hauptländer Euro- 
pa's befestigten sich in ihrem Volksglauben, Welcher seitdem im 
Wesentlichen nicht dauernd geändert worden ist; seit mehr als 200 
Jahren hat keine Nation eine andere wegen ihrer Religion bekriegt; 
alle grossen katholischen Länder sind während dessen katholisch, 
alle grossen protestantischen Länder protestantisch geblieben. 
Dessvvegen hat die religiöse Entwickelung in verschiedenen 
Europäischen Ländern nicht ihren natürlichen Lauf genommen, ist 
vielmehr zu einem unnatürlichen gezwungen worden. Nach dem 
natürlichen Verlauf sollten die eivilisirtesten Länder alle protestan- 
tisch und die uncivilisiirtesten katholisch sein. Durchschnittlich ist 
dies auch wirklich der Fall, und dadurch sind manche zu dem 
sonderbaren Irrthum verleitet worden, die ganze moderne Auf- 
klärung dem Einiiuss des Protestantismus zuzuschreiben, wobei sie 
die wichtige Thatsache übersehen, dass der Protestantismus, bevor 
diese Aufklärung begonnen hatte, gar nicht nöthig war. "Aber ob- 
gleich im gewöhnlichen Verlauf der Fortschritt der Reformation die 
Maassrcgel und das Symptom jener fortgeschrittenen Bildung gewesen 
sein würde, die der Reformation vor-aufging, so wirkte doch die 
Autorität der Regierung und der Kirche in manchen Fällen als eine 
störende Macht und hinderte den natürlichen Fortschritt der religiösen 
Verbesserung. Und nachdem der westphälische Friede die politi- 
schen Verhältnisse Europa's festgestellt hatte, legte sich die Neigung 
zu theologischen Streitigkeiten so sehr, dass die Leute es nicht 
mehr der Mühe werth hielten, eine religiöse Revolution anzustiften
        

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