Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008209
Literatur und 
Staatsregierung. 
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dienst ist. Welchem Umstande kann ihre spätere Aenderung anders 
zugeschrieben werden als der einfachen Thatsaehe, dass die Juden, 
wie alle anderen Völker, ihre Religion abstracter und edler aufzu- 
fassen begannen in denrMaasse, Wie sie in der Civilisation fort- 
schritten, die Verehrung der vielen Götter aufgaben und ihr Ge- 
müth allmählig zu dem Gedanken einer grossen Ursache erhoben, 
welchen man in einer früheren Periode vergebens versucht hatte 
ihnen einzuprägen? S0 innig ist der Zusammenhang des Glaubens 
und der Kenntnisse eines Volks, und so nothwendig ist es, dass 
eine intelleetuelle Thatigkeit dem religiösen Fortschritt der Völker 
vorhergehe. Wenn wir weitere Erläuterungen dieser wichtigen 
Wahrheit haben Wollen, so werden wir sie in der Europäischen 
Geschichte kurz nach der Verbreitung des Christenthums finden. 
Die Römer waren mit seltenen Ausnahmen ein unwissendes und 
barbarisehes Geschlecht, wild, ausschweifend und grausam. Für 
ein solches Volk war der Polytheismus die natürliche Religion, 
und so lesen wir, dass sie einem Götzendienst ergeben waren, den 
wenige grosse Denker, aber nur wenige zu verachten wagten. Als 
die christliche Religion unter diese Menschen gerieth, fand sie sie 
unfähig, ihre erhabenen und bewundernswürdigen Lehren zu fassen, 
und als ein wenig später Europa von neuen Einwanderungen über- 
schwemmt wurde, brachten diese Eroberer, die noch barbarischer 
als die Römer waren, eine Art Aberglauben mit, wie er für ihren. 
Zustand passte. Auf den Stoff , der aus diesen beiden Quellen 
entsprang, sollte nun das Christenthum wirken. Der Erfolg ist 
sehr merkwürdig; denn nachdem die neue Religion Alles über- 
wältigt zu haben schien und die Huldigung des besten Theils von 
Europa empfangen hatte, fand es sich sehr bald, dass in Wahr- 
heit nichts erreicht war, dass die Gesellschaft sich noch in jenem 
Zustande befand, wo der Aberglaube unvermeidlich ist und wo 
ihn die Menschen, wenn sie ihn in einer Form nicht haben können, 
in einer anderen sich aneignen. Vergebens lehrte das Christen- 
thum eine einfache Lehre und verlangte einen einfachen Gottes- 
dienst. Die Gemüther der Menschen waren zu weit zurück für 
einen so grossexi Schritt, sie brauchten vervrickeltere Formen und 
einen verwiekelteren Glauben. Die Folgen findet man in der Kirchen- 
geschichte. Der Europäische Aberglaube wurde nicht vermindert, 
sondern nur in ein neues Bette geleitet, die neue Religion wurde 
durch die alten Thorheiten verdorben. Auf die Anbetung der Götzen-
        

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