Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008134
216 
der 
Einfluss 
Religion, 
von allem historischen Nachweis eine rein speculative Untersuchung 
über den Ursprung der religiösen Meinungen anzustellenl") Und 
so begann er in seiner Geschichte von England, statt zuerst die 
Nachweise zu sammeln und dann Schlüsse daraus zu ziehen, mit 
der Annahme, dass die Verhältnisse zwischen dem Volk und der 
Regierung einer gewissen Ordnung unterworfen sein müssten 
und die Thatsachen, welche dieser Annahme widersprachen, ver- 
nachlässigte oder verdrehte erßß) Diese verschiedenen Schrift- 
steller, so abweichend sie in ihren Principien und in den Gegen- 
ständen ihres Studiums Waren, stimmten alle in ihrer Methode 
überein, d. h. sie stimmten alle darin überein, die Wahrheit viel- 
mehr durch das Ilerabsteigen als durch das Heraufsteigen zu er- 
forschen. Die grosse scciale Wichtigkeit dieser Eigenthümlichkeit 
Nationalreichthum dessen Irrthum, dass die Pacht ein Element des Preises sei, ent- 
deckte; und so sieht man jetzt, dass Hume diese grosse Entdeckung zuerst gemacht 
hat, obgleich Ricardo das Verdienst hat, sie bewiesen zu haben. 
99) Die historischen Thatsachen darin sind blosse Erläuterung, wie jeder sehen 
kann, der die Abhandlung in Humds Phitos. worlcs IV, 435-513 nachlesen will. 
Es findet eine bedeutende Aehnlichkeit zwischen seinen Ansichten und den religiösen 
Stufen in Comtds Philosophie positive statt; denn Hume's früheste Form des Polytheis- 
mus ist offenbar die nämliche wie Comte's Fetischismus und beide glauben, daraus 
sei später der Monotheismus als eine feinere Abstmction entstanden. Dass dies der 
Weg war, den der menschliche Geist genommen, ist höchst wahrscheinlich und wird 
durch die gelehrten Untersuchungen Grote's bestätigt, History of Greecc l, 462, 497, 
V, 22. Die entgegengesetzte und populärere Ansicht, dass der Monotheismus dem 
Polytheismus vorhergcgangen sei, war die der meisten bedeutenden Schriftsteller früherer 
Zeit und wird auch jetzt noch von Manchen vertheidigt, unter andern von Dr. Whe- 
well {Brtdgewatefs Treatisc 256), der sich ziemlich zuversichtlich ausspricht. Siehe 
auch Letters from Warburton to Hu-rd 239, ThirlwalPs History of Greecc 1, 183 und 
Kant, Kritik der reinen Vernunft, in seinen Werken II, 455, wo er von "einigen 
Funken des Monotheismus" spricht. 
93) Das heisst, er behandelt historische Thatsachen bloss als Erläuterung gewisser 
allgemeiner Principien, welche nach seiner Meinung auch ohne die 'l'hatsachen hätten 
bewiesen werden können, so dass Schlosser in der Geschichte des 18. Jahrhunderts II, 
76 ganz richtig sagt: "Geschichte war für Hume nur eine Nebensache, nur ein Mittel, 
seine Philosophie einzuführen." Wenn man bedenkt, wie wenig von den Principien, 
welche die socialen und politischen Veränderungen bestimmen, bekannt ist, so leidet 
es keinen Zweifel, dass Hume in der Anwendung seiner Methode voreilig war; aber 
es ist unsinnig, die Methode unehrlich zu nennen, da die Absicht seiner Geschichte 
nicht war, Schlüsse zu beweisen, sondern sie durch Beispiele zu erläutern und er 
sich also für berechtigt hielt, seine Erläuterungen auszuwählen. lch führe nur seine 
Ansichten an, ohne sie zu vertheidigezi; ja ich bin der Meinung, dass er in dieser 
Hinsicht ernstlich im Unrecht war.
        

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