Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1005674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1008123
Literatur 
und Staatsregierung. 
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nicht nach den Erscheinungen des Reichthums, noch aus statisti- 
schen Angaben, sondern nach den Erscheinungen der Selbstsucht 
dar und macht so eine deductive Anwendung von einem psycho- 
logischen Princip auf den ganzen Umfang aller ökonomischen That- 
sachenß") 
Die erläuternden Beispiele, von denen sein grosses Werk voll 
ist, bilden keinen Theil der wirklichen Beweisführung, sie folgen 
dem Gedanken nach, und wenn sie weggelassen wären, würde 
das Werk weniger interessant und vielleicht weniger wirksam, aber 
in wissenschaftlicher Hinsicht eben so werthvoll gewesen sein. Ein 
anderes Beispiel sind die Werke Hume's. Alle, mit Ausnahme seiner 
metaphysischen Abhandlungen, sind deductiv; seine tiefgedachten 
ökonomischen Untersuchungen sind wesentlich apriorisch und könn- 
ten geschrieben worden sein ohne alle Kenntniss jener Einzel- 
heiten aus dem Handel und den Finanzen, von denen sie nach 
der inductiven Methode als allgemeine Sätze hätten abgeleitet wer- 
den sollen?  Eben so in seiner natürlichen Geschichte der Re- 
ligion versuchte er einfach durch Nachdenken und unabhängig 
'30) Die zwei Schriftsteller, welche besonders sorgfältig die Methode untersucht 
haben, die Nationalökonomen anwenden sollten, sind John Mill, Essays on unsettled 
quesiions of political econolzzy 1844, Seite 120-164, und Rae, New princzjales of po- 
litiml econmny 1834, S. 328-351. Rae wirft in seinem gcistvollen Werke Adam 
Smith vor, dass er die Regeln der Baconisehen Philosophie vernachlässigt und dadurch 
seine Schlüsse minder werthvoll gemacht, als sie sein würden, wenn er seinen Gegen- 
stand inductiv behandelt hätte; aber Mill hat mit grossem Nachdruck bewiesen, dass 
die dednetive Methode die einzige ist, wodurch die politische Oekonomie zu einer 
Wissenschaft erhoben werden kann. Er sagt Seite 143, die politische Oekonomie sei 
wesentlich eine abstracte Wissenschaft und ihre Methode apriorisoh, und Seite 146: 
die aposterierische Methode sei gänzlich unwirksam. Hierzu könnte ich hinzufügen, 
dass die moderne Theorie von der Pacht, welche jetzt der Eckstein der politischen 
Oekonomie ist, nicht durch Verallgemeinerung ökonomischer Thatsachen gefunden 
wurde, sondern durch Dedueirung nach Art der Geometer; und wirklich Alle, welche 
gegen die Theorie der Pacht auftreten, thun dies immer aus dem Grunde, dass That- 
sachen ihr widersprächen und sehliessen dann mit völliger Unwissenheit des Wesens 
der Methode, dass desswegen die Theorie falsch sei. Siehe z. B. Jones, On the distri- 
butian of ruealth, ein Buch, das einige interessante Thatsachen enthält, aber an diesem 
Hauptfehler der Methode leidet. Siehe auch Journal qf statistiml society I, 317, VI, 
322, wo es heisst, dass ökonomische Theorien aus statistischen Thatsachen abge- 
leitet werden sollen. Vergl. XVll, 116, XVIII, 101. 
91) Ein auffallendes Beispiel von dem Scharfsinn, womit Hunie diese Methode 
anwandte, ist neulich ans Licht gekommen. Siehe Burtorfs Lzfe und correspvndenm; 
ßf Hume II, 486. Dort finden wir, dass er unmittelbar nach der Lectüre von Smitlfs
        

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